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17.01.2012
DETMOLD
Staatsanwalt bestätigt Tod von Arzu Özmen
Trauer um getötete 18-Jährige
VON SILKE BUHRMESTER UND MARTIN HOSTERT

Große Anteilnahme | FOTO: VERA GERSTENDORF-WELLE

Detmold/Lübeck (lek). "Arzu ist tot – Warum?" steht auf dem großen Schild, das an der Bäckerei in Detmold-Remmighausen lehnt. Daneben ein Meer aus Kerzen, Rosen, ein Stofftier: Die Menschen nehmen Anteil, erinnern sich an Arzu, die hier als Aushilfe arbeitete, hier ihren Freund kennenlernte, den Bäckergesellen Alex. Die verbotene Liebe zu dem Nicht-Jesiden wurde der 18-Jährigen wenige Monate später zum Verhängnis.

Seit Dienstagvormittag gibt es keinen Zweifel. Die Obduktion der in Norddeutschland gefundenen Frauenleiche habe jetzt Gewissheit gebracht, sagte der Detmolder Staatsanwalt Michael Kempkes am Dienstag. Die Ermittler glauben, dass die 18-jährige Arzu von fünf ihrer Geschwister verschleppt wurde. Vier Brüder und eine Schwester sitzen in Untersuchungshaft. Sie würden nunmehr erneut vernommen.

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Derweil fuhr der Leiter der Detmolder Sonderkommission "Talstraße" am Montag nach Lübeck, um sich mit den ermittelnden Kripobeamten vor Ort auszutauschen.

Fundort nicht der Tatort

Klar ist, dass der Fundort nicht der Tatort war. Die oder der Täter sind zunächst von der Hauptstraße in einen rund 150 Meter langen Wirtschaftsweg gefahren. Von dort haben sie die Leiche ins Gebüsch geschleppt, das nur wenige Meter entfernt ist.

Wann wurde die junge Frau ermordet? Und wann wurde ihr Leichnam in Großensee (Kreis Stormarn) abgelegt? Das sind zwei wesentliche Fragen, denen die Ermittler nachgehen. Die beschuldigten fünf Geschwister wurden bereits kurz nach der Verschleppung festgenommen und sitzen seither in U-Haft: Zwei Brüder noch am selben Tag in Steinheim, die zwei übrigen Brüder und die ältere Schwester am Tag darauf.

Möglicherweise hatten sie Helfer: "Wir ermitteln auch nach wie vor gegen den Vater von Arzu", bestätigte Oberstaatsanwalt Michael Kempkes. Er kenne mittlerweile die Todesursache, werde sie aber aus ermittlungstechnischen Gründen vorläufig nicht nennen, sagte er gestern. Eine Verbindung von Detmold zum 270 Kilometer entfernten Fundort konnte er noch nicht aufzeigen: "Es ist aber wohl klar, dass die Özmen-Sippe in ganz Deutschland verstreut ist."

Warten auf die Obduktionsergebnisse

Die Anwälte der Geschwister sehen die Situation als "unverändert" an. "Man musste damit rechnen, dass Arzu gefunden wurde. Diese stille Befürchtung war präsent", sagte Rechtsanwalt Andreas Chlosta. Entscheidend sei nun, was die Obduktion der Leiche ergebe. Wesentlich sind diese Ergebnisse auch für seine Kollegin.

Gegen die Bielefelder Anwältin ermittelt die Detmolder Staatsanwaltschaft wegen "Nichtanzeige einer Straftat" (wir berichteten). Arzus inhaftierte Schwester hatte Mitte Dezember gegenüber der Polizei behauptet, ihre Anwältin wisse, dass Arzu nach lebe und wo sie sich aufhält: "Sollte die Obduktion ergeben, dass Arzu zu dem Zeitpunkt bereits tot war, wäre die Anwältin entlastet", sagte Oberstaatsanwalt Ralf Vetter.

Detmolds Bürgermeister Rainer Heller zeigte sich gestern "tief betroffen" von der traurigen Nachricht: "Wir trauern um eine junge Detmolderin, die einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist, deren mögliche Motive für mich nicht nachvollziehbar sind. Ich habe keine Worte für diese Tat." Es berühre ihn sehr, wie die Detmolder ihre Anteilnahme zum Ausdruck brächten. "Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist groß in Detmold. Daran wollen wir festhalten." Auch Menschen von außerhalb kommen nach Remmighausen, um Arzu die letzte Ehre zu erweisen. Roman und Margit Faber aus Bad Driburg hielten gestern vor der Bäckerei inne. "Wir möchten, dass so etwas nie wieder passiert und jemand sollte der Familie den Spiegel vorhalten. Das hat nichts mit Ehre zu tun, das ist ehrlos", sagt der junge Mann.


Chronologie: Die Suche nach Arzu Özmen

1. November: Die 18-jährige Bäckereiverkäuferin Arzu Ö. aus Detmold verschwindet. Nach Ansicht der Ermittler wurde die Kurdin von ihren Geschwistern aus der Wohnung ihres Freundes verschleppt. Seit Anfang November sitzen deshalb die vier Brüder und die Schwester in Untersuchungshaft. Das Elternhaus wird ein erstes Mal durchsucht.
Zeugen sagen unabhängig voneinander aus, in der mutmaßlichen Tatnacht Schüsse gehört zu haben.

10. November: Die Polizei durchsucht über mehrere Tage ein Waldgebiet bei Blomberg.

16. November: Eine Hundertschaft durchkämmt mit Spürhunden ein etwa 15 Hektar großes Wald- und Wiesengebiet in Detmold.

5. Dezember: Die Polizei setzt 5000 Euro zur Belohnung für Hinweise aus, die zur Aufklärung der Tat, Ermittlung der Täter, insbesondere aber auch zur Auffindung der verschleppten Frau führen.

12. Dezember: Einer der inhaftierten Brüder legt Haftbeschwerde ein. Das Oberlandesgericht entscheidet am 29. Dezember: Er muss im Gefängnis bleiben - wegen dringenden Tatverdachts.

14. Dezember: Der Fall wird in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ungelöst" aufgegriffen.

15. Dezember: Das Bundeskriminalamt schaltet in dem Fall per Rechtshilfeersuchen die Kollegen in der Türkei ein, um im Umfeld der Familie zu ermitteln.

13. Januar 2012: Eine Leiche wird in Großensee in Schleswig- Holstein gefunden. Die Polizei behält sich die eindeutige Identifizierung bis zum Abgleich von Gewebeproben vor. Dass es sich um Arzu Ö. handelt, ist jedoch höchst wahrscheinlich. Ermittler durchsuchen zum zweiten Mal das Elternhaus. (lnw)

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