Engagierter Umweltschützer ist unermüdlich im Einsatz / Stiftung pro Artenvielfalt
Oerlinghausen. Stillhalten? Weggucken? Andere machen lassen? Eigenschaften, die Roland Tischbier völlig fremd sind. Erst recht, wenn es um den Schutz der Natur und ihrer Bewohner geht. Deshalb bezieht Tischbier, der heute seinen 65. Geburtstag feiert, auch bei der aktuellen Diskussion um das Thema Naturschutzgroßprojekt eindeutig Stellung. "Artenvielfalt ist Lebensqualität, deshalb muss die Sandgrube Haßler verteidigt werden."
Hunde, die ihrem Jagdtrieb nachgehen, Mountainbikes, Besucherströme, all des gehöre dort nicht hin. "Man muss der Natur Räume lassen, in denen sie sich ungestört entwickeln kann." Kein Naturschutz ohne Konsequenz. "Ich kämpfe dafür, dass eingezäunt wird und dort weiterhin Ziegen weiden." 1980 hat Roland Tischbier gemeinsam mit seinen mittlerweile verstorbenen Mitstreitern Günter Ober und Gerhard Naß die Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) Oerlinghausen gegründet. "Wir drei haben in 16 Jahren aktiver Zeit sicherlich 30.000 Stunden Arbeit investiert."
In der Sandgrube hat das Trio Arten gezählt, hat gegen die Verfüllung des Steinbruchs gekämpft und Geld gesammelt, um das schützenswerte Biotop zu erwerben. Großen Anteil haben die drei daran, "dass Oerlinghausen mit vier Naturschutzflächen gesegnet ist". Dem Grütetal, dem Dalbker Bachtal, den Rosenteichen und jetzt dem Naturschutzgroßprojekt. "Es gibt nur wenige Städte, die das vorweisen können." Aber, sagt Tischbier, "das waren auch 20 Jahre Knochenarbeit".
Mittlerweile hat Roland Tischbier seinen Fokus auf bedrohte Tierarten in Südeuropa gelenkt. "Dort werden Millionen von Zugvögeln weggefangen", berichtet der gebürtige Bayer von Fangnetzen und Leimruten auf Zypern, an denen die Vögel kleben bleiben und jämmerlich verenden, von Schlingfallen auf Sardinien oder dem Abschuss in Malta. Tischbier und seine vor vier Jahren gegründete Stiftung "Die Tierpaten- Stiftung pro Artenvielfalt" machen mobil gegen den Mord, mit dem Millionen verdient werden.
"Ein Singvogel-Menü kostet auf Zypern 32 Euro", berichtet Tischbier von einer "Gourmet-Gier". Er und seine Mitstreiter streiten im persönlichen Einsatz gegen die Machenschaften und durch offensive Öffentlichkeitsarbeit. Auf den Inseln sind Camps errichtet worden. "In jedem haben wir schon Prügel bekommen." Die Arbeit mit Videos, das Sammeln von Beweismaterialien aber habe etwas bewirkt. "Wir kommen gut voran." Aufmerksamkeit erlangt die Stiftung unter dem Motto "Stop dem Vogelmord!" auch durch einen Fernsehspot mit dem bekannten Schauspieler Hannes Jaenicke. "Er war empört über das, was dort geschieht."
Viele andere sind es auch. 200.000 Briefe verschickt die Stiftung in Deutschland, in denen informiert wird. Roland Tischbier, der bis 1996 Geschäftsführer von Storck International war, hat viele Klinken geputzt, sammelt unermüdlich Spenden. "Im vergangenen Jahr waren es eine Million Euro." Zehn Jahre harter Arbeit seien vorausgegangen. Sein Ziel, bis zum 65. Geburtstag eine Gesamtschutzfläche von 200 Hektar zu erwerben wird er bis zum Sommer erreichen.
Tischbier hofft, dass er das Netzwerk der Solidarität noch weiter knüpfen kann. "Ich bin ein kämpferischer Mensch, setze meine Unruhe in Aktionen um." Und Tischbier wird nicht müde, dafür zu plädieren, dass sich die Menschen bewusst machen, was um sie herum geschieht. "Intelligente Toleranz" nennt der 65-Jährige das. "Ich hoffe auf die Vernunft der Menschen." Auch in Oerlinghausen, wo es derzeit darum geht, die Einzigartigkeit der Sandgrube Haßler und des Steinbruchs zu erhalten.