Oerlinghausen. 50 Frauen, 50 Meinungen? Klischee. Die Besucherinnen des ersten Damenabends der Buchhandlung Blume am vergangenen Dienstag jedenfalls waren sich einig: Es war eine tolle Veranstaltung und das Motto des Abends "Unbeschreiblich weiblich" wurde von der Verlegerin Brigitte Ebersbach wunderbar erklärt.
"Die Bücher der Edition Ebersbach sind außergewöhnlich", sagte Inhaberin Martina Lange während ihrer Einführung. "Sie sind besonders gestaltet, sind ausgestattet mit hinreißenden Fotografien und bilden eine Insel in unserer Buchhandlung."
Die Verlegerin wird’s gefreut haben, denn bei aller Liebe der Literaturwissenschaftlerin zum Buch, zur ausgewählten Schrift, zur Gestaltung des Einbandes und zur Verwendung von Fotos oder Illustrationen bleibt eine bange Frage: Wird sich das Buch verkaufen?
Vielleicht ist das der Punkt, an dem sich eine Frau von einem Mann als Verleger unterscheidet. Der erste verlegerische Erfolg gelang Ebersbach mit der Else-Ury-Biographie "Nesthäkchen kommt ins KZ". "Alle haben mir von diesem Titel abgeraten", erzählt Brigitte Ebersbach, die mit ihrem Verlag im Jahr 2000 von Dortmund nach Berlin gezogen ist. Auch die Buchhändler prophezeiten, dass sich solch ein Titel nicht verkaufen ließe. Ich habe es trotzdem gewagt."
Der Erfolg gab ihr Recht. Auch das offene Bekenntnis, ihren Erfolg durch Versuch und Irrtum erreicht zu haben, würde einem Mann wohl kaum so locker über die Lippen kommen. "Am ersten Tag meiner Selbstständigkeit habe ich zwei Briefe bekommen. Einen sehr positiven und einen negativen Inhalts - so ist es im Grunde bis heute geblieben." Dennoch blickt sie ein wenig wehmütig auf die Zeit vor 22 Jahren zurück "als die Welt noch rein und frei war von Thalias und Hugendubels".
In der Welt der Verlage hat sie sich eine Marke erarbeitet. Bücher der Edition Ebersbach sind in der Regel frankophil und handeln vornehmlich von Frauen, Künstlerinnen und Schriftstellerinnen der 20er und 30er Jahre. Sie huldigt der besonderen Zeit der Avantgarde, des Surrealismus, des Dadaismus - der Zeit der ersten machtvoll, beinahe brachial gelebten Emanzipation. "Männer haben über die Moderne geredet, Frauen haben sie gelebt", sagt sie.
Immer wieder kommt sie auf die Titel ihrer Bücher zu sprechen. Zum 20-jährigen Bestehen der Edition hat sie 20 Frauenporträts herausgebracht. "20 Abwege zum Glück" heißt das Buch. "Ich wollte mit dem Titel den Metern an Glücksliteratur etwas entgegensetzen", sagt Ebersbach. Und so beschreiben sie und Mitautorin Susanne Nadolny auf jeweils fünf bis sieben Seiten Geschichten außergewöhnlicher Frauen. Coco Chanel ist dabei und Simone de Beauvoir. Doch auch Margaret Anderson, Gründerin und Herausgeberin der Literaturzeitschrift "The little Review", in der Arbeiten von Ezra Pound (Ulysses), T. S. Eliot, Ernst Hemingway, Marcel Duchamp, Francis Picabia und Gertrude Stein veröffentlicht wurden.
Den Besucherinnen der Ladies Night zumindest ansatzweise nahegebracht hat Brigitte Ebersbach auch Annemarie Schwarzenbach, die 1942 gerade 34 Jahre alt nach einem Fahrradunfall starb. Sie entstammte einer der reichsten und angesehensten Familien der Schweiz, grenzte sich aber schon früh strikt gegen den Erzkonservativismus des Elternhauses ab. Sie war befreundet mit Klaus Mann und verliebt in Erika Mann, die ihre Gefühle allerdings nicht erwiderte. Sie war lesbisch und antifaschistisch, drogenabhängig und mutig. Aus Reiseberichten aus Afghanistan zitiert Ebersbach eine Passage, in der Schwarzenbach den Tschador als Gefängnis und "wenig menschlich" beschreibt.
Zeitgenössisch ist "La vita al dente", in der Stefania Giannotti das Leben aus der Küchenperspektive beschreibt. Und dabei präsentiert Ebersbach dann doch noch ein Klischee: Männer richten in der Küche nur Unordnung an, selbst wenn das Ergebnis schmeckt. Und nun raten Sie, wer alles wieder richten darf . . .