24 Photovoltaik-Module vom Dach des August-Griese-Berufskollegs gestohlen / Schaden: 10.000 Euro
Löhne. Bequem über die Wendeltreppe sind die Diebe aufs Schuldach geklettert und haben die Solar-Module abmontiert. Eigentlich ist die Treppe gesperrt, doch derzeit werden die Fassaden der Schule renoviert – und alle Wege sind frei.
Nach dem Ostwestfalen-Lippe knapp ein Jahr Ruhe hatte, ist nun offenbar die so genannte Solar-Mafia wieder in der Region aktiv. 24 Photovoltaik-Elemente haben Unbekannte vom Dach des August-Griese-Berufskollegs in Löhne (Kreis Herford) gestohlen. "Eine Frechheit", sagt Lehrer Henning Tausch, der die Anlage betreut hat.
Seit zehn Jahren versorgt die Solaranlage das schuleigene Elektromobil mit Strom. "Und in der ganzen Zeit ist nie etwas passiert", sagt Tausch. Außerdem werden die Schüler am Beispiel der Anlage in Solartechnik unterrichtet. "Das können wir jetzt auch erst mal vergessen."
In ganz Deutschland zugeschlagen
"Der Schaden liegt nach ersten Schätzungen bei 10.000 Euro", erklärt Polizeisprecher Joachim Thater-Klas. Die Ermittlungen in diesem Fall hat die Zentrale Kriminalitätsbekämpfung in Herford übernommen. Die erbeuteten Elemente sind jeweils 1,32 Meter lang und 32 Zentimeter breit.
Der Diebstahl von Photovoltaik-Elementen ist offenbar ein einträgliches Geschäft: Seit vier Jahren sind etwa in Bayern und im nahen Emsland Banden dabei, von Bauernhöfen, Lagerhallen oder Ställen die teuren Elemente abzuräumen. Der letzte größere Fall in OWL ereignete sich in Büren-Steinhausen bei Paderborn. Dort räumten im vergangenen Jahr Juni unbekannte Täter Photovoltaik-Elemente von einem Schweinemaststall ab. Der geschädigte Landwirt konnte nur den Diebstahl von 20 der rund 60 Elemente feststellen. Schaden: 45.000 Euro.
Vor allem Niedersachsen gilt als Hochburg der Solar-Mafia: Im emsländischen Lingen waren bis ins vergangenen 24 Fälle bekannt. Der Schaden dort liegt bei mehr als 500.000 Euro.
Das Diebesgut geht ins Ausland
Neben den rund 600 Elementen, die bisher erbeutet wurden, haben es die Täter auch auf die technischen Anlagen zur Stromeinspeisung abgesehen. So wurden knapp zwei Wochen vor dem Löhner Fall in Dannenberg so genannte Wechselrichter gestohlen, die zum Einspeisen ins Netz benötigt werden.
Das bayerische Landeskriminalamt, das zwischenzeitlich Schäden von mehr als 700.000 Euro nachgeht, rät den Besitzern von Pholtovoltaikanlagen dazu, ihre Elemente zu kennzeichnen. Erst Mitte Mai hatte die Autobahnpolizei in Würzburg einen Fahrer gestoppt, der in seinem BMW Module transportierte, deren Herkunft als äußerst fragwürdig gilt. Vor allem Spanien aber auch Italien, also Länder, in denen Sonnenstrom ebenfalls subventioniert wird, gelten als Absatzländer deutscher Anlagen.