Löhne/ Kirchlengern. Die A 30 sieht am frühen Donnerstagmorgen aus wie ein Trümmerfeld: Im Abstand von 400 Metern liegen Reste eines Autos, das ungebremst ins Heck eines Sattelaufliegers raste und fast einen halben Kilometer mitgeschleift wurde. Der Fahrer, ein 30-jähriger Löhner, muss einen Schutzengel gehabt haben, er konnte von der Feuerwehr lebend geborgen werden.
Zersplittertes Glas, geborstenes Blech – der rote Ford Mondeo ist nur noch ein etwa ein Meter hoher Schrotthaufen. Doch der Fahrer darin ist noch bei Bewusstsein. "Meine Hand tut weh", habe er gesagt, berichtet Jürgen Druhmann. Der 57-jährige Lastwagenfahrer ist unversehrt, der Unfallverursacher dagegen in seinem Auto eingeklemmt. Rund 20 Minuten brauchten Feuerwehrleute, Sanitäter und Notärzte, um den 30-Jährigen zu befreien.
Mit einem nicht zugelassenen Ford mit Erbacher Kennzeichen (ERB) war der Löhner gestern gegen 3.30 Uhr auf der Autobahn 30 in Richtung Osnabrück unterwegs. Im Bereich der Anschlussstelle Kirchlengern fuhr er aus noch ungeklärter Ursache offenbar ungebremst in den vorausfahrenden Lastwagen von Jürgen Druhmann. Der war kurz zuvor auf dem Gelände einer Löhner Spedition gestartet und wollte seinen Auflieger in Gütersloh beladen. Etwa vier Kilometer nach Fahrtantritt ereignete sich dann der Unfall. Druhmann kam glimpflich davon.
Doch auch Stunden nach dem Unfall stand dem 57-Jährigen der Schrecken noch immer ins Gesicht geschrieben. "Ich habe einen Knall gehört, einen Stoß gespürt und beim Blick in den Spiegel Funken gesehen. Ich dachte zunächst an einen Reifenschaden oder Achsbruch", erinnert er sich. Geistesgegenwärtig steuerte der 57-Jährige seinen Laster auf den Standstreifen. "Da mag man gar nicht aussteigen", sagt der erfahrene Brummi-Fahrer. Er selbst hatte Glück im Unglück, den Unfallverursacher aber erwischte es schwer.
Er lag eingeklemmt in seinem zertrümmerten Pkw. "Wir mussten bei der Bergung sehr vorsichtig sein", erläutert Bündes Feuerwehrchef Rüdiger Meier. Über die Beifahrertür konnten die Einsatzkräfte den 30-Jährigen aus dem Wrack befreien. Mit schweren, aber nicht lebensgefährlichen Verletzungen wurde er ins Herforder Klinikum transportiert. Ein Polizeibeamter: "Ein solcher Unfall bedeutet normalerweise den sicheren Tod." Für Rüdiger Meier war klar, wie der Löhner den Unfall überleben konnte: "Da ist ein ganzes Schutzengelgeschwader mitgeflogen."