Löhne. Beifall, Buhrufe, Gelächter, Kopfschütteln und hitzige Diskussionen – so muss eine Podiumsveranstaltung mit Politikern sein. Und so war der NW-Treff am Montagabend vor 350 Zuschauern in der Werretalhalle mit den fünf Bürgermeister-Kandidaten. Sie standen den NW-Moderatoren Jörg Stuke und Dirk Windmöller Rede und Antwort und lieferten sich Wortgefechte. Wahlkampf pur, doch nicht immer Wahlkampf perfekt.
Zehn Dinge, die Sie im Wahlkampf tun sollten:
1. Bewahren Sie die Ruhe: Das tat SPD-Kandidat Heinz-Dieter Held, der selbst bei scharfen Angriffen sachlich antwortete.
2. Zählen Sie eigene Erfolge auf: Das führten Kurt Quernheim und Hermann Ottensmeier gekonnt vor.
3. Kokettieren Sie mit Ihren Schwächen: Grünen-Kandidatin Marion Schröder bevorzugte diese Strategie ("Ich kenne noch zu wenig Zahlen und Fakten").
4. Machen Sie großzügig in Diplomatie: Damit fuhr Heinz-Dieter Held gut, als er nicht daran vorbeikam, Erfolge von Kurt Quernheim zu nennen.
5. Fassen Sie sich kurz und treffen Sie den Punkt: Das gelang allen selten. Ein Beispiel lieferte Held auf die Frage nach Quernheims Teilnahme am Spatenstich zur Nordumgehung: "Ich wäre nicht hingegangen."
6. Reden Sie sich stark: Hermann Ottensmeier sagte, dass er an eine echte Siegchance glaubt. Kurt Quernheim verkaufte die Bebauung der I-Wiese als vornehmlich eigene Leistung.
7. Attackieren Sie wunde Punkte des Gegners: Heinz-Dieter Held erwähnte "Unordnung in Personalangelegenheiten im Rathaus". Kurt Quernheim leitete die Frage nach dem schlechten Zustand der Straßen auf den früheren Kämmerer Held um. Der habe ihm damals die Mittel gestrichen. Taktisch clever!
8. Bügeln Sie unangenehme Themen ab: Ulrich Adler beantwortete die Frage, was die DDR für ihn gewesen sei, kurz und trocken mit "ein misslungener Versuch des Sozialismus".
9. Sprechen Sie den Kontrahenten besondere Fähigkeiten zu, die aber nicht zu politischer Ehre gereichen: So erklärte Kurt Quernheim, dass Hermann Ottensmeier Kaffeesatzleserei beherrsche. Ottensmeier lobte den "Wunderkleber" von Künstlerin Marion Schröder.
10. Überraschen Sie mit Bekenntnissen: Hermann Ottensmeier verriet, dass er die Kinderspielplätze der Aqua Magica oft nutzt. Heinz-Dieter Held erzählte, dass seine Mutter seinen Spitznamen "Hansi" schon immer furchtbar fand.
Zehn Dinge, die Sie im Wahlkampf nicht tun sollten:
1. Den Gegner zu oft loben: Heinz-Dieter Held tat das mit Kurt Quernheim ("Da ist schon viel richtig gemacht worden").
2. Sich widersprechen: Marion Schröder war erst für und dann gegen ein Bürgerbüro und verkündete zum Schluss, sie habe am Anfang die Bürgersprechstunde gemeint.
3. Sich hinter Paragraphen verstecken: Kurt Quernheim wollte sich zunächst nicht zum Schweinemaststall äußern und schob – zwar korrekt aber am Fragenden vorbei – dieVerantwortung des Kreises vor.
4. Spielverderber sein: Hermann Ottensmeier weigerte sich, auf die Frage zu antworten, wen er wählt, wenn nicht sich selbst. Es gab Buhrufe.
5. Das Wichtigste vergessen: Ulrich Adler sprach den ganzen Abend von der BuLL und erwähnte kaum, dass er nun für die Linke kandidiert.
6. Endlos reden: Das unterlief allen Kandidaten.
7. Die Gegner unter der Gürtellinie attackieren: Kurt Quernheim fragte Marion Schröder "Soll ich hier vor Ort rumschreien, wie Sie es sonst tun?"
8. Steilvorlagen auslassen: Heinz-Dieter Held hätte bei der Frage nach Problemen auf dem Aqua-Magica-Gelände erwähnen können, dass ihm der Etat unter anderem von der Stadt Löhne und damit von Kurt Quernheim reduziert wurde.
9. So tun, als hätten sie die Frage nicht gehört: Kurt Quernheim tat sich schwer mit der Publikumskritik an den Bolzplätzen. Besser ist, nachzufragen.
10. Fragen von Moderator Jörg Stuke ausweichen: Der nagelt Sie am Ende sowieso auf eine Antwort fest.