Studenten der Fachhochschule Ostwestfalen-Lippe drehen Kurzkrimi am Wasserschloss
Löhne. Die erste Kamerafahrt geht zwanzig Meter in die Höhe. Kameramann Norman Krüger hockt auf einem Bierkasten in der Arbeitsbühne und hält drauf. Vor seiner Linse wird die Ulenburg ganz klein. "Ist okay!", ruft der Regisseur von unten. Auf einem Bildschirm hat er das Kamerabild verfolgt. Kopfüber.
Seit gestern ist das Wasserschloss Ulenburg Kulisse für einen Film. Studenten der Fachhochschule Lemgo drehen einen Kurzkrimi. Der Film, Arbeitstitel "Erwischt", soll als Semesterarbeit im Fachbereich Medienproduktion veröffentlicht werden. Wann und wo, steht noch nicht fest. Wahrscheinlich Ende des Jahres oder Anfang 2010. "Wir würden den Film gerne in Löhne vorstellen", sagt Regisseur Max Malinowsky.
Kameramann Norman Krüger ist mit der Kamerafahrt noch nicht zufrieden. Die Arbeitsbühne muss noch einmal umgestellt werden. Er schraubt an der Aufhängung, zupft an den Gegengewichten. Bei aller Arbeit geht die Frage des Regisseurs fast unter. "Warum steht das Bild noch Kopf?" Dabei ist sie einfach zu erklären: Das Fernsehbild ist verkehrt herum, weil die Kamera Kopf steht. Nur so filmt der Kameramann aus dem Sicherheitskorb der Arbeitsbühne in der besten Position. Spätestens im Schnitt wird das Bild wieder richtig herum gedreht.
Für Kameramann, Regisseur und Produzent ist dieser Krimi jeweils der dritte Film. Der 26-jährige Regisseur Max Malinowsky, Kameramann Norman Krüger (25) und Produzent Dominik Junker (23) studieren an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe am Standort Lemgo Medienproduktion. Die Kosten für den Krimi strecken die Studenten vor: etwa 1.600 Euro.
Während der Test-Kamerafahrt sitzen die Schauspieler mit dem ganzen Team auf der Brücke vor der Burg und essen Pizza. Bevor die erste Klappe fällt, muss schließlich jede Kameraposition sitzen. Das ist für Regisseur, Kameramann und Produzent ein Haufen Arbeit. Für den Rest bedeutet es: Warten.
Im späteren Film sollen zwei Kommissare im Stile alter Edgar-Wallace-Filme in Sachen Mafia ermitteln. Die Ganoven fahren in einem Ford Thunderbird aus dem Jahr 1962 vor das Schloss. Das Opfer fährt einen Volvo und die Ermittler mit einem Mercedes aus demselben Baujahr. Viel mehr verrät Regisseur Max Malinowsky noch nicht. Nur: Die Handlung wird in vier verschiedenen Krimi-Genres erzählt. Wie bei Kino-Filmvorschauen will der Regisseur dieselbe Geschichte auf vier verschiedene Art und Weisen erzählen: spannend bis blutig.
Aus ganz Deutschland haben sich Schauspieler für den Studenten-Film beworben. Um dabei zu sein, stellen sie ihre Gagen zurück, bis der Film womöglich einmal Geld einspielt. Aus 180 Bewerbungen haben die drei Filmemacher fünf Profis für fünf Rollen ausgesucht. Kommissar Mark Briger wird von Stephan Menzel-Gehrke aus Nürnberg gespielt, der im Bielefelder Theater sein Handwerk gelernt hat. Sein Ermittler-Kollege wird von Thomas Wasik aus Köln dargestellt. Die Schlossherrin spielt Birthe Gerken aus Hamburg, Kally, das Opfer, Nicolas Walier aus Berlin und Anette Blättel eine Raumpflegerin.
Gedreht wird vom späten Nachmittag bis in die tiefe Nacht. Das Schloss ist von innen und außen fast immer im Bild. Vorgestern hat die Mennighüffener Feuerwehr eine Szene beregnet. Bis zum Samstag bleiben die Studenten jede Nacht bei ihrer Film-Ausrüstung auf der Ulenburg. Weil die Burg keinen Wasseranschluss hat, mussten sie eine Bau-Toilette ordern. "Wir fahren tagsüber abwechselnd nach Hause", sagt Regisseur Max Malinowsky: "Zum Duschen."