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01.10.2009
Euphorisch in die gefährliche Heimat
Wie Doris Horn und Günter Womelsdorf die Rückkehr der afghanischen Pflegekinder erlebten
VON LENA GÖSSLING

Fröhlicher Rückflug | FOTO: NW

Löhne. Schon einige Wochen ist es her, dass Doris Horn und Günter Womelsdorf wieder deutschen Boden unter den Füßen haben. Trotzdem werden die fremden Gerüche und Geräusche und die teils entsetzlichen Bilder ihrer Reise noch lange in ihren Köpfen sein. Mit dem Verein "Kinder brauchen uns" waren die beiden Löhner für mehrere Tage in Afghanistan, um drei Pflegekinder zurück in ihre Familien zu bringen.

Insgesamt sechs Monate waren Mojtaba (9), Mia (11) und Sabzina (12) für ärztliche Behandlungen in Deutschland gewesen (die NW berichtete). Am 27. Juli ging es dann zurück in die Heimat. "Schon im Flugzeug wurden die Kinder ganz unruhig. Man merkte, wie sehr sie sich auf ihre Familien freuten", erinnert sich Horn.
Die Sehnsucht danach, endlich wieder die Eltern und Geschwister in die Arme zu schließen, sollte sich erfüllen. Auch Günter Womelsdorf, der für den elfjährigen Mia eine Beinprothese angepasst hatte, freute sich mit seinen Schützlingen.

Trotz allem war er über die Euphorie der Kinder verwundert. "Man merkte ihnen nicht an, dass sie gerade eine heile Welt verlassen und auf dem Weg in eine Gefahrenwelt sind", so Womeldorf, Orthopädietechniker der Auguste-Viktoria-Klinik. Wie das Leben in dem zentralasiatischen Land ist, könne man sich nicht vorstellen. "Man muss dagewesen sein."

Insbesondere die hygienischen Zustände seien in Afghanistan problematisch. "Überall fliegt Staub durch die Luft. Manchmal kann man kaum einen Meter weit sehen", erklärt Horn. Auch in die Häuser, die hauptsächlich aus Lehm gebaut sind, dringt dieser ein. "Es ist deshalb fast unmöglich dort Wunden sauber zu halten. Auch Mia hatte mit erheblichen Entzündungen zu kämpfen", so Womelsdorf.

Selbst in den meisten Krankenhäusern sei nicht einmal ein Mindestmaß an Hygiene gewährleistet. "Häufig liegen mehrere schwer kranke Kinder dicht gedrängt in einem engen Raum. Nur durch Stofffetzen oder Lappen sind ihre Liegen notdürftig von einander getrennt", erinnert sich Womelsdorf. Auch Krankenschwestern gebe es nur wenige. Häufig übernehmen Familienmitglieder die Pflege, mit der sie jedoch nicht selten völlig überfordert sind. Für viele der Kinder sei die Reise nach Deutschland so die letzte Chance. "Schätzungsweise 80 Prozent der Kindern, die hier in Deutschland behandelt wurden, hätten in Afghanistan nicht überlebt", sagt Horn betroffen.

Doch auch jetzt, wo die drei Pflegekinder wieder gesund und glücklich in ihren Familien in Afghanistan leben, hören die Sorgen von Horn und Womelsdorf nicht auf. In dem Dorf, in dem beispielsweise der kleine Mia wohnt, sorgen die Taliban häufig für Unruhe. "Als ich zuletzt mit Mia telefoniert habe, konnte ich ihn teilweise kaum verstehen. Im Sekundentakt flogen Hubschrauber über sein Haus", erzählt Doris Horn.

Fast täglich erkundigt sie sich nach ihrem Schützling, will wissen ob es ihm gut geht. "Es gibt viele Bedrohungen für afghanische Kinder. Einige werden nachts heimlich aus ihren Betten geholt und entführt. Man zwingt sie, in den Krieg zu ziehen. Wiederum andere werden zwangsverheiratet", gibt Womelsdorf Einblicke in das Leben in Afghanistan.

Doch es sind nicht nur Horn und Womelsdorf, die sich noch lange an die Zeit in einem fremden Land erinnern werden. Mojtaba, Mia und Sabzina werden ihre Zeit in Deutschland so schnell nicht vergessen. So verriet Mojtaba Doris Horn kurz vor ihrer Rückreise: "Nachts träume ich noch in Deutsch."


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