Löhne. Ein Bäcker hütet das Geheimnis seines Teigs Ein Koch schweigt über das Rezept der Suppe nach Art des Hauses. Ein Autohersteller versteckt Prototypen vor der Konkurrenz. Wer verrät schon gern sein Erfolgsrezept? Schon gar nicht ein Experte für Werbung, oder doch? Thomas Kilian hat’s getan. Er hat ein Buch über die Methoden geschrieben, die seine Agentur Thoxan zum Erfolg geführt haben. Der NW erzählt er, warum sein Werk mit dem Titel "Der Igel-Faktor" keine Konkurrenz für ihn ist.
Kilians Firma in Gohfeld ist eine Werbeagentur und doch mehr. Der 30-Jährige berät Unternehmen nicht nur darin, wie sie ihre Werbeauftritte verbessern können. "Wir gehen neue Wege und zeigen, wie man im Internet Kunden gewinnt", sagt Kilian: "Und zwar nicht nur, indem man eine hübsch gestaltete Homepage hat." Viele Firmen dächten noch zu traditionell. "Hasenfüßig" nennt das Kilian, ohne es böse zu meinen. Sie trauten sich nicht, zu neuen Ufern aufzubrechen.
Wie es gelingen kann, im Web nicht länger einer von Millionen zu sein, sondern aufzufallen, steht im Buch. Den Titel hat Kilian gewählt, weil er sich auf die Geschichte von Hase und Igel bezieht. Den Wettlauf, den der schnelle Hase nicht gewinnen kann, weil der Igel cleverer ist. Immer, wenn der Hase zum Ziel kommt, ist der Igel schon da, weil er seine Frau als Double benutzt.
Doch was tut denn nun ein schlauer Igel, um Kunden zu finden? "Er sucht nicht nur danach, sondern lässt sich finden", sagt Kilian. Dahinter steht die Überlegung, dass die Menschen zunehmend im Internet nach Dienstleistern, Herstellern, Produkten und vielem mehr suchen. "Und dann kann man eben nachhelfen, dass man gefunden wird", so Kilian.
Die Idee ist nicht ganz neu. Schon in den Gelben Seiten gab es Tricks. Da nannten sich Schlüsseldienste AAAA, um ganz vorn in der Liste zu landen. "Ja, so ein bisschen kann man das vergleichen", findet der gebürtige Lüneburger.
Dann legt Kilian los, steigt in sein Thema ein. Spricht von Suchmaschinen, Web2.0, Weblogs, Newslettern, Businessplattformen, Metatags und all den anderen Fachbegriffen. "Doch keine Angst", sagt er: "Die sind im Buch alle erklärt." Überhaupt sei das Werk leichtverständlich für Laien und kein Fachchinesisch darin zu finden.
Ein Erfolgsrezept verrät Kilian schon mal. Es geht um die Optimierung der Suchmaschinen. "Wie schafft man es, bei Google in der endlosen Liste von Anbietern nach vorn zu rutschen?" Diese Frage habe er so oft gehört und wisse eine Antwort. "Der Schlüssel zur Suchmaschinentür liegt in den Stichworten, den Keywords, die in einer Webseite hinterlegt sind. Die muss man optimieren."
Radikal ist Kilians Igel-Ansatz jedoch nicht. Er erklärt nicht alle traditionellen Akquiseformen für Mumpitz, um in seiner Bildsprache zu bleiben: "Man kann auch vom Hasen etwas lernen." Den Anstoß zum Buch gab der Business-Village-Verlag.
Der fragte Kilian, ob er nicht einen Überblick zur Kundenakquise im Internet schreiben wolle. Ein paar Monate brauchte der Löhner, bis das Konzept stand. Den Text schrieb er sich in einem Dänemarkurlaub von der Seele oder besser vom Fachverstand.
2.000 Stück hat der Verlag gedruckt, die ersten sind längst verkauft und es gibt schon Resonanz. Ein Leser schrieb ihm, er habe das Buch in der Badewanne gelesen. "Als er ausstieg, sei das Wasser eiskalt gewesen. Ein schönes Kompliment."