Löhne. Der Kaffeebecher ist aufgeplatzt, eine Brötchenhälfte liegt auf der Fahrbahn. Wenige Minuten vor dem schweren Unfall auf der Autobahn 30 bei Löhne im Kreis Herford haben die Insassen des Seat noch sich noch mit einem Frühstück eingedeckt. Der mit vier Auszubildenden besetzte Seat stieß rund 200 Meter hinter der Mc-Donalds-Kreuzung in Fahrtrichtung Osnabrück mit einem Opel Signum zusammen. Er wurde von einem 57-jährigen Mann aus dem Kreis Warendorf gesteuert. Fünf Menschen wurden zum Teil schwerst verletzt. Zwei Unfallopfer wurden mit Hubschraubern in Bielefelder Krankenhäuser gebracht. Sie schweben in Lebensgefahr.
Gegen 8 Uhr kam es Mittwoch zu einem der schwersten Unfälle der letzten Jahre auf der Autobahn. Mindestens einer der Wagen muss mit Blick auf die Schäden mit hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein. Die Autos sind im Bereich der Motorblöcke massiv eingedrückt. Beim Signum ist der Fahrersitz nach hinten weggeknickt. Über viele Meter liegen um die Fahrzeuge Glasscherben und Kunststoffsplitter verteilt.
Am schwersten verletzt wurden der 57-jährige Fahrer des Opel Signum und die Beifahrerin des Seat. "Während der Fahrer des Opel beatmet wurde, haben wir ihn mit der Rettungsschere freigeschnitten", schildert Ulrich Imort, Wachleiter der Löhner Feuerwehr, die Dramatik der Situation.
Rund 50 Feuerwehrleute aus Löhne und Bad Oeynhausen sind mit 16 Fahrzeugen am Unfallort im Einsatz. Einsatzleiter für die Feuerwehr war Heiko Wiemann von der Bad Oeynhausener Feuerwache, weil die Bad Oeynhausener aufgrund der Entfernung zuerst an der Unfallstelle waren. "Es war gut, dass wir mit so vielen Kräften vor Ort waren. Bei diesem Massenunfall hatten wir definitiv nicht zu viele Feuerwehrleute im Einsatz", sagt Wiemann.
Zahlreiche Sanitäter und fünf Notärzte kämpfen um das Leben der Verletzten. Schon kurz nach dem Eintreffen der ersten Sanitäter am Unfallort steht fest, dass zwei der Opfer so schwer verletzt sind, dass sie mit Rettungshubschraubern so schnell wie möglich in Bielefelder Spezialkliniken geflogen werden müssen. Bei ihnen besteht akute Lebensgefahr.
Einer der Sanitäter vor Ort ist Rettungsassistent Stephan Töpler von der Löhner Wache. "Bei Unfällen wie diesen wirken enorme Kräfte. Die schwersten Verletzungen entstehen häufig im Brust- und Bauchraum", erklärt Töpler. Äußerlich seien diese Verletzungen oft nicht feststellbar.
Für die Polizei ist es zunächst völlig unklar, wie es zu dem Unfall kommen konnte. "Ein Gutachter muss diese Frage klären", sagt Wachleiter Gerd Möller. Klar ist lediglich, dass einer der beiden Wagen über den Mittelstreifen gefahren ist und dabei den anderen getroffen hat. "Wir haben keine Zeugen. Und auch von den Insassen war keiner in der Lage etwas zu sagen", so Möller. Dabei habe eine Autofahrerin, die als erste am Unfallort war und erste Hilfe geleistet habe, angegeben, dass viele Autofahrer den Unfall gesehen hätten, aber weiter gefahren seien.
Die Polizei sucht diese Zeugen, die Angaben zum Unfallhergang machen können.