Löhne. Der Kaffeebecher ist aufgeplatzt, eine Brötchenhälfte liegt auf der Fahrbahn. Kurz vor dem Unfall auf der Autobahn 30 haben die Insassen des Seat sich noch mit Frühstück eingedeckt. Der mit vier Auszubildenden auf dem Weg zur Berufschule besetzte Pkw stieß rund 200 Meter hinter der Mc-Donalds-Kreuzung in Fahrtrichtung Osnabrück mit einem Opel Signum zusammen. Der wurde von einem 52-jährigen Mann aus Telgte gesteuert. Fünf Menschen wurden zum Teil schwerst verletzt. Zwei Unfallopfer wurden mit Hubschraubern in Krankenhäuser gebracht. Eine Frau schwebt noch in Lebensgefahr.
Gegen 8 Uhr kam es gestern zu einem der schwersten Unfälle der letzten Jahre auf der Autobahn. Mindestens einer der Wagen muss mit Blick auf die Schäden mit hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein. Die Autos sind im Bereich der Motorblöcke massiv eingedrückt. Beim Signum ist der Fahrersitz nach hinten weggeknickt. Über viele Meter liegen Glasscherben und Kunststoffsplitter verteilt.
Am schwersten verletzt wurden der 52-jährige Fahrer des Opel Signum und die 19-jährige Beifahrerin des Seats, die aus Porta Westfalica stammt. "Während der Fahrer des Opels beatmet wurde, haben wir ihn mit der Rettungsschere freigeschnitten", schildert Ulrich Imort, Wachleiter der Löhner Feuerwehr, die Dramatik der Situation. Der Seat wurde von einem 20 Jahre alten Auszubildenden aus Petershagen gesteuert. Neben der schwer verletzten Beifahrerin waren noch eine 22-jährige Bad Oeynhausenerin und ein 21 Jahre alter Mindener im Auto.
Rund 50 Feuerwehrleute aus Löhne und Bad Oeynhausen sind mit 16 Fahrzeugen am Unfallort im Einsatz. Einsatzleiter für die Feuerwehr war Heiko Wiemann von der Bad Oeynhausener Feuerwache, weil die Bad Oeynhausener aufgrund der Entfernung zuerst an der Unfallstelle waren. "Es war angemessen, dass wir mit so vielen Kräften vor Ort waren", sagt Wiemann. Zahlreiche Sanitäter und fünf Notärzte kämpfen um das Leben der Verletzten.
Schon kurz nach dem Eintreffen der ersten Sanitäter am Unfallort steht fest, dass zwei der Opfer so schwer verletzt sind, dass sie mit Rettungshubschraubern so schnell wie möglich in Bielefelder Spezialkliniken geflogen werden müssen. Bei ihnen bestand zunächst akute Lebensgefahr.
Der Zustand der jungen Frau war bei Redaktionsschluss noch immer lebensbedrohlich.
Einer der Sanitäter vor Ort ist Rettungsassistent Stephan Töpler von der Löhner Wache. "Bei Unfällen wie diesen wirken enorme Kräfte. Die schwersten Verletzungen entstehen häufig im Brust- und Bauchraum", erklärt Töpler.
Für die Polizei ist noch völlig unklar, wie es zu dem Unfall kommen konnte. "Ein Gutachter muss diese Frage klären", sagt Wachleiter Gerd Möller. Klar ist lediglich, dass der Seat-Fahrer auf den Fahrstreifen des Gegenverkehrs geraten ist. "Wir haben keine Zeugen. Und auch von den Insassen war keiner in der Lage, etwas zu sagen", so Möller. Dabei habe eine Autofahrerin, die als erste am Unfallort war und Erste Hilfe geleistet habe, angegeben, dass viele Autofahrer den Unfall gesehen hätten, aber weitergefahren seien.
Die Autobahn war in Fahrtrichtung Osnabrück noch bis 14 Uhr gesperrt. In Bad Oeynhausen und Löhne kam es zu massiven Staus.
Die Polizei sucht Zeugen, die Angaben zum Unfall machen können: Tel. (0 57 32) 1 08 90.