Löhne. Der Aufstieg war steil, der Absturz auch. Inzwischen haben sich Martin Kesici und Markus Grimm gefangen. Was die beiden Sieger von Castingshows erlebt haben und wie ihr Leben aus den Fugen geriet, haben sie im Buch "Sex, Drugs und Castingshows" enthüllt. Gestern stellten sie es in der Buchhandlung Dehne vor. Zuvor waren sie zum Gespräch mit Martin Fröhlich in der NW-Redaktion.
Sie haben 2003 Starsearch (Kesici) und 2004 Popstars (Grimm) gewonnen. Was machen Sie heute?
MARKUS GRIMM: Ich bin Musikjournalist und schreibe Bücher.
MARTIN KESICI: Ich mache Musik und komponiere Songs.
Im Buch rechnen Sie mit der manipulativen Scheinwelt der Castingshows ab. Damit nehmen Sie vielen jungen Leuten Illusionen?
GRIMM: Zum Glück, denn darin liegt die Gefahr. Früher war der Berufswunsch Pilot, heute wollen sie Popstars werden.
KESICI: Und das ist kein Beruf. Da gibt es weder eine Ausbildung noch eine ernsthafte Aussicht auf einen Job.
Dann sollten Sie das Buch am besten in Schulen präsentieren.
GRIMM: Keine schlechte Idee. So eine Stunde im Musikunterricht der 10. Klasse wäre bestimmt gut.
"Deutschland sucht den Superstar" verzeichnet gerade einen Bewerberrekord. Macht Sie das zornig oder traurig?
KESICI: Mich macht traurig, dass Kinder dafür ihre Lehre oder die Schule abbrechen und dann scheitern.
GRIMM: Aber wenn ich das höre, überlege ich schon, ob ich mich bei der Sendung "Goodbye Deutschland" bewerbe.
Sie sind damals bei Sat1 und Pro Sieben gewesen. Warum nicht bei RTL und Dieter Bohlen?
KESICI: Da hätte ich mich nie beworben. Ich bin Rockmusiker und davon versteht der sowieso nix. Außerdem wär ich mit 30 zu alt für DSDS gewesen.
GRIMM: Und ich konnte schon damals Songs schreiben, die mehr als drei Noten haben.
Sind alle Castingshows schlecht?
GRIMM: Die einzige Ausnahme ist Stefan Raab. Der sucht wirklich Musiker und nicht telegene Leute mit reißerischen Schicksalen dahinter. Er unterstützt die Musiker auch nach der Show.
KESICI: Raab inszeniert die Lebensläufe seiner Bewerber nicht wie all die anderen. Im Vertrag stand ja bei uns nicht umsonst, dass wir an einer Dokusoap teilnehmen.
Sie haben Ihre Verträge im Buch veröffentlicht. Hatte das rechtliche Konsequenzen von Seiten der Produktionsfirmen zur Folge?
GRIMM: Leider nicht, denn das hätte die Geschichte noch bedeutender gemacht. Aber das wussten die.
KESICI: Ich habe außerdem gehört, dass die Verträge heute noch schlimmer sein sollen.
Wie schlimm war die Zeit des Absturzes für Sie?
GRIMM: Ich will es mal so sagen: Als sich Robert Enke vor den Zug geworfen hat, sprachen alle über die Belastungen im Hochleistungssport. Das gibt es aber nicht nur da. Vielen Musikern geht es ähnlich. Ich hatte tiefe Depressionen.
KESICI: Ich habe mein Heil im Alkohol gesucht und zum Glück rechtzeitig die Kurve bekommen.
Haben Sie sich mit dem Buch endgültig ins Abseits manövriert?
GRIMM: Nein, es gab viel Zustimmung aus der Szene, viele Kandidaten haben sich bei uns für die Offenheit bedankt.
KESICI: Musik machen können wir doch weiterhin. Wir tun das aus Leidenschaft, nicht um berühmt zu werden.