Löhne. "Nein, hier warten wir lieber nicht." Tugba Toy und Sandra Kottmeier schnappen sich ihre Taschen, stehen auf und eilen die Treppen von Bahnsteig in den Tunnel hinunter. Mit hier meinen sie Bahnsteig 11 am Löhner Bahnhof, der so gar nicht nach ihrem Geschmack ist: "Aber wir müssen eben jeden Tag mit dem Zug nach Herford zur Schule fahren", verraten die 19 und 18 Jahre alten Frauen. So wie ihnen geht es tausenden Löhnern. Doch was genau stört die Leute am Bahnhof? Die NW will es jetzt genau wissen.
Keiner kennt die Zustände besser als Heinz-Jürgen Rüberg. Der betreibt ein DB-Büro im Bahnhof. Anders als die beiden jungen Frauen verbringt er den ganzen Tag dort. Und bekommt vieles mit. "Es kommt oft vor, dass die Leute ihrem Ärger Luft machen", sagt Rüberg. Weil er der einzige Ansprechpartner ist, bekommt er dann all das zu hören, was die Fahrgäste stört.
Beim Rundgang durch den Bahnhof weist Rüberg immer wieder nach links, nach rechts oder nach oben und deutet auf Problemstellen hin. Schmale Türen, hinter denen sich einst Toiletten verbargen. "Aber das ist lange her", so Rüberg.
Und wo gehen die Reisenden hin, wenn sie ein dringendes Bedürfnis haben? "Die Schüler vor allem in das Schnellrestaurant gegenüber." Doch da kostet der Toilettenbesuch Geld, wenn man nichts verzehrt. "Das sind 50 Cent, aber wir haben ja keine Wahl", sagt Sandra Kottmeier.
Sie vermisst im Bahnhof noch mehr: "Warum gibt es da keine Bäckerei?", fragt die junge Löhnerin. Es kämen so viele Reisende pro Tag, da könne sich das doch lohnen.
Heinz-Jürgen Rüberg treiben andere Sorgen um: "Nachts steht der Bahnhof offen und es ist niemand hier, der aufpasst", sagt er und tut es aus leidvoller Erfahrung. "Gerade neulich haben mir nachts ungebetene Besucher das Telefonkabel gekappt." Eigentlich gebe es eine Hausordnung, die vorschreibe, dass sich zu Zeiten, wenn keine Züge mehr fahren, niemand im Bahnhof aufhalten darf. Das wäre von 0:33 bis 5:19 in der Nacht. Doch auf der Rückseite am Tunnel gibt es keine Möglichkeit abzuschließen und das Eingangsportal vorn bleibt einfach offen.
Dass die Tür offensteht, heißt aber nicht, dass man sie immer ungehindert passieren kann. Da findet sich häufiger mal ein Fahrrad, das den Durchgang eng macht. "Aber wo sollen die Leute auch mit ihren Rädern hin", fragt Heinz-Jürgen Rüberg. Der einzige Fahrradständer vorm Bahnhof reiche für acht Drahtesel, doch es kommen jeden Tag dutzende davon. Auch der Rollerparkplatz am Eingang ist eigentlich keiner und eher durch Gewohnheitsrecht entstanden.
Wenn Roller und Fahrräder am Abend verschwunden sind, fühlt sich dagegen mancher nicht mehr sicher, wie Rüberg weiß. Es gebe zwar eine Kameraüberwachung, doch nachdem einige der Geräte im Frühjahr zerstört wurden, seien nicht alle wieder aufgebaut worden. Zumal das Geschehen nicht dauerhaft beobachtet werde, sondern die Videobänder nur im Falle von Vorkommnissen ausgewertet würden.
Wie lange Sandra Kottmeier und Tugba Toy übrigens auf ihren Bus warten müssen, konnten sie bei der Ankunft auf dem Bahnsteig nicht erkennen. Die Uhr dort ist seit Wochen kaputt und einfach nur mit einer Plane zugehängt.