Löhne. Glaube und Sünde liegen nicht nur in der Bibel nah beieinander, sondern auch an der Lübbecker Straße in Löhne im Kreis Herford. Dort waren rund zehn Jahre der Nachtclub Chez Nous und die Christliche Bücherstube in Mennighüffen Nachbarn. Nach rund 40 Jahren hat das Chez Nous im Mai 2008 geschlossen. Jetzt übernimmt die Christliche Bücherstube einen Teil der Räume und richtet dort ein Begegnungszentrum ein.
Mirjam Fründ ist die Betreiberin der Christlichen Bücherstube. Sie freut sich auch im übertragenen Sinn über den Durchbruch, den es Bald zum ehemaligen Bordell geben wird. "Wir wollen einen Raum der Begegnung schaffen", erklärt sie. So soll ein kleines Café entstehen. "Dort können auch Lesungen stattfinden, anbieten wollen wir auch besondere Veranstaltungen wie zum Beispiel die Einrichtung eines Trauercafés", ergänzt Ehemann Thomas Fründ. Das Giraffenland will in der vergrößerten Bücherstube eine Spielecke einrichten.
Thomas Fründ kann sich noch gut an die Diskussion erinnern, die er mit dem damaligen Mennighüffer Pfarrer Dittrich über die Einrichtung einer Christlichen Bücherstube direkt neben einem Bordell geführt hat. "Wir waren uns aber einig, dass sie genau da hin gehört." Mirjam Fründ sagt mit einem Augenzwinkern: "Hier lagen über Jahre Licht und Schatten dicht beieinander – nicht nur wegen der unterschiedlichen Öffnungszeiten."
Mit den Frauen, die im Chez Nous beschäftigt waren, gab es kaum Kontakt. "Wir haben die auch damals zur Eröffnung eingeladen, gekommen sind sie nicht." Mirjam Fründ betont, dass sie nie Probleme mit den Frauen gehabt habe. Sie findet allerdings: "Das sind Menschen, die auf dem falschen Weg gelandet sind." Thomas Fründ hat einige der Damen als Kunden in seinem Elektro-Fachgeschäft erlebt. "Die kamen aus Osteuropa und waren immer nur drei bis vier Monate in Löhne. Eine hat bei uns zum Beispiel ein Bügeleisen für ihre Mutter gekauft."
Whirlpool erinnert an alte Zeiten
Die Frauen führten im Chez Nous ein schlechtes Leben. Der Raum im Erdgeschoss, der demnächst von der Bücherstube genutzt wird, war mit einer Bar und Sitzgruppen ausgestattet. "Im Keller war es schlimm", sagt Thomas Fründ und öffnet die Tür zur Kellertreppe. Unten angekommen zeigt er auf einen etwa 30 Quadratmeter großen Raum. "Hier waren drei Räume für die Damen, die sie gleichzeitig als Arbeits- und Schlafraum nutzen mussten." Lediglich zwei Kellerfenster sorgen für minimale Frischluft und noch weniger Tageslicht. Im Keller neben den Arbeitsräumen war auch eine Kochnische für die Frauen eingerichtet. Neben den jahrzehntealten Rohren ist ein Wasserhahn befestigt, wie er normalerweise im Garten zu finden ist. Einziges Relikt aus der Bordellzeit: ein Whirlpool in einem anderen engen Kellerraum.
Auch Ordnungsamtsleiter Wolfgang Greinke kannte das Bordell aus beruflicher Sicht. "Das Chez Nous war einer der ältesten Löhner Barbetriebe. Wir haben dem Betreiber im Mai 2008 die Konzession entzogen. Der Mann war nicht mehr in der Lage, seinen Verpflichtungen nachzukommen", so Greinke. Unter anderem habe er Steuerschulden und Schulden gegenüber Lieferanten angehäuft.
Greinke bestätigt, dass die Frauen aus Osteuropa stammten. "Es gab immer mal wieder Hinweise, dass dort Damen ohne Aufenthaltserlaubnis tätig waren." Dieser Verdacht habe sich jedoch in den letzten Jahren nie bestätigt. Im März 1998 war bei einer Razzia ein geladener Revolver gefunden worden. Der letzte Betreiber hatte das Bordell seit 1996 geführt.
Nachdem diesem Mann 2008 die Konzession entzogen wurde, habe eine junge Dame aus seinem Umfeld den Betrieb übernehmen wollen. Greinke: "Die konnte aber die Voraussetzungen nicht erfüllen."
Und so wurde der Weg dafür frei, dass in das Sündenbabel die christliche Herrlichkeit einziehen kann.