Löhne. Wenn der Weihnachtsmann seine Geschenke im Internet-Versandhaus My Toys bestellt, dann landet seine Bestellung in den meisten Fällen in Löhne. Noch. Denn Mitte nächsten Jahres verlagert My Toys, ein Tochterunternehmen des Otto-Versandes, seine Logistik von Löhne nach Langenselbold (Hessen). Für den Otto-Standort ist dieser Verlust zu verschmerzen, da sich die Auftragslage in vielen anderen Bereichen sehr gut entwickelt. Otto profitiert von der Quelle-Pleite.
Löhne ist einer von zahlreichen Standorten der Otto-Gruppe. Otto heißt in Löhne allerdings seit Jahren nicht mehr Otto, sondern Hermes. In diesem Otto-Tochterunternehmen sind die Logistik-Dienstleistungen des Hamburger Versandhaus-Riesen zusammengefasst.
Dazu gehört nicht nur der Versand von Artikeln, die Kunden aus dem Otto-Katalog bestellen. Auch Dienstleistungen für andere Auftraggeber sind Teil der Arbeit. My Toys nutzt die Logistik von Hermes in Löhne seit 2001.
Von der Werrestadt aus werden die verschiedenen Artikel des Internet-Händlers gelagert, kommissioniert und schließlich zum Kunden gebracht. Besonders zur Weihnachtszeit brummt das Geschäft. "Für My Toys arbeiten zurzeit mehr als 300 Menschen, davon der größte Teil Leiharbeiter", sagt Ralf Kemper, Geschäftsführer von Hermes in Löhne.
Sabine Zelm, PR-Managerin von My Toys, erklärt, warum das Unternehmen künftig nicht mehr in Löhne arbeiten lässt: Für die Erweiterung der Lagerflächen hatte My Toys eine Ausschreibung laufen. Daran hatte sich auch Hermes in Löhne beteiligt. Doch: "Die Schwab GmbH in Langenselbold hat sich mit ihrem Konzept durchgesetzt", so Zelm. Durch direkt angrenzende Freiflächen biete das Lager in Langenselbold weiteres Ausbaupotential und damit eine langfristige Perspektive.
My Toys wird das neue Lager voraussichtlich im Sommer 2010 beziehen. "Der Bau des Lagers wurde notwendig, weil wir auf größere Kapazitäten angewiesen sind", so Zelm. Das Unternehmen habe 1999 mit 5.000 Artikeln begonnen, heute seien rund 100.000 Artikel im Sortiment des Internet-Händlers.
Der Weggang von My Toys ist für Hermes nicht so dramatisch, wie es klingt. "Wir werden von unserem fest angestellten Personal keinen Mitarbeiter entlassen", sagt Ralf Kemper. Und auch bei den Zeitarbeitskräften bestünde eine gute Chance, einen Teil zu halten.
Zurzeit beschäftigt Hermes in Löhne 320 fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dazu kommen je nach Auftragslage immer wieder Leiharbeiter.
Der Grund, warum Kemper recht gelassen bleibt, ist eine Reihe von Neuaufträgen. Großen Anteil daran hat der Zuwachs der Otto-Gruppe durch den Niedergang von Quelle. "Wir verzeichnen massive Zuwächse im Bereich der weißen und braunen Ware." Unter weißer Ware verstehen die Logistiker zum Beispiel Herde und Kühlschränke, unter brauner Ware Unterhaltungselektronik. Auch im Bereich der Möbel steigen die Bestellungen.
Vom Aus der Quelle sind die Fachleute überrascht worden. Insider hatten zwar erwartet, dass Quelle aus der Insolvenz verkleinert hervorgehen würden. Eine Liquidierung kam jedoch unerwartet. Ein großer Spieler hat damit den Weg freigemacht für die anderen: "Otto hat ja nicht ohne Grund die Markenrechte von Quelle und der Eigenmarke Privileg erworben."
Löhne profitiert massiv von dieser Entwicklung. Die Lagerflächen, die My Toys frei macht, werden durch die neuen Aufträge ausgelastet. Kemper: "Der Standort Löhne ist auf keinem Fall gefährdet, im Gegenteil. Wir haben uns flexibel auf die neue Situation eingestellt."
Eine weitere Vergrößerung durch Anbau sei nicht ausgeschlossen. Zurzeit unterhält Hermes eine Lagerfläche von 170.000 Quadratmetern. Das sind 17 bis 18 Fußballfelder. Vielleicht sind es bald schon 20.