Löhne. Die Abba-CD vom Onkel? Puh. Das Duftwässerchen von der Oma? Gähn. Die letzten Schweißtropfen sind gerade von der Stirn gewischt, da geht’s schon wieder los mit dem Kaufhaus-Stress. Die Menschen tauschen um, als gäb’s kein Morgen. Der kurioseste Fall? Ein Mann, der seinen alten Weihnachtsbaum zum Ratio-Markt zurück brachte. Das Bäumchen nadelte.
"Das ist aber die Ausnahme", sagt Ratio-Marktleiter Olaf Fischer, lacht und erzählt von einem Kunden, der nach Weihnachten die Weihnachtsbeleuchtung zurückbrachte.
Kein Wunder, dass mancher Kunde sich weit aus dem Fenster lehnt, schließlich ist das Zauberwort der Nachweihnachtszeit Kulanz. "Klar haben wir seinerzeit den Baum zurückgenommen", sagt Fischer. Man drücke eben ein Auge zu.
Auch Katy Ramspoth profitierte gestern vom nachweihnachtlichen Laisser-faire der Märkte. Mit der Tochter an der einen, der Playmobil-Pferdewaschanlage in der anderen Hand und ohne Kassenbon stand sie gestern am Marktkauf-Infostand - und wurde prompt bedient. "Was soll man machen, wenn der Weihnachtsmann sich vertut", sagt sie. Kein Mensch brauche schließlich zwei Pferdewaschanlagen.
"Ist die Ware heile und nachweislich in unserem Sortiment, nehmen wir sie an und geben in der Regel das Geld heraus", sagt Löhnes Marktkauf-Leiter Herbert Placke.
Anders wäre der Strom der Umtausch-Willigen an den drei Tagen nach Weihnachten auch kaum zu bewältigen. "Aus jedem Fall einen Staatsakt zu machen, können wir uns gar nicht leisten", sagt Heike Hauser, die seit 5 Jahren das Umtausch-Geschäft begleitet: "Teilweise werfen wir die Kartons einfach nach hinten, zahlen aus und gut ist."
So türmen sich dann die Elektrogeräte , Klamotten und CDs im Inneren des kleinen Infostandes und die fleißigen Helferinnen versuchen, die Contenance zu bewahren. Schließlich lohnt sich das vermeintliche Minusgeschäft: Hat der Umtausch geklappt, freut sich der Kunde - und kommt gerne wieder.
Ware im Wert von 6.000 Euro hat Marktkauf in Löhne 2008 am Tag nach Weihnachten zurückgenommen und ausgezahlt. Die Summe wuchs bis zum dritten Tag nach Weihnachten auf rund 14.000 Euro, sagt Herbert Placke.
Es waren 718 Menschen, die am 27., 29. und 30. Dezember 2008 Ware zu Geld machten. Und auch gestern lief das Umtauschgeschäft feurig an. Schon am Vormittag hatten Heike Hauser und ihre Kolleginnen bereits Ware im Wert von fast 1.700 Euro angenommen. "Und das Hauptgeschäft beginnt ja erst am Nachmittag."
Selbstverständlich ist das laxe Umtauschgebahren der Märkte nicht. Ein gesetzliches Recht auf Umtausch gibt es nämlich nicht. Grundsätzlich gilt im Laden die Regel: Gekauft ist gekauft. Anders sieht das bei Online-Käufen aus. Hier gilt ein gesetzlich verbrieftes 14-tägiges Widerrufsrecht. Doch obacht: Wer das Siegel der CD öffnet, besiegelt den Online-Kauf.
Und sollte es wider Erwarten gar nicht mehr klappen will, ungeliebte Weihnachtsgeschenke loszuwerden, dann gibt es ja noch das Online-Auktionshaus.