Löhnerin wollte eine vierbeinige Freundin - und kaufte ein aggressives, krankes Tier
Löhne. Ein goldenes kleines Hundemädchen soll es sein. Janina Meding möchte eine Freundin zum Sport treiben, Spazieren gehen, liebhaben. Dann zieht Golden Retriever Gina ein - und eine monatelange Leidensgeschichte beginnt.
Golden Retriever Gina will weder Freundschaft noch Schmusen. Sie beißt ihr neues Frauchen, hat Angst und ist krank. Hätte Janina Meding beim Züchter mehr Fragen gestellt, hätte das niedliche Hundekind sie nicht so lieb mit seinen großen schwarzen Augen angeschaut, dann hätte sie vielleicht nicht Tausende Euro bei diversen Tierärzten gelassen. Sie ist auf einen gewissenlosen Vermehrer reingefallen - und möchte nun andere Welpeninteressenten warnen. "Ich war auch noch so naiv, und habe ein Hilfsangebot einer Hundeschule ausgeschlagen", sagt Janina Meding. Die Schule hatte offeriert, sie bei der Welpenauswahl zu begleiten.
Eine Reihe von Merkwürdigkeiten war dem Hundekauf vorausgegangen. Die Mutter der Welpen könne man ihr nicht zeigen, hatte der Züchter aus dem Kreis Minden-Lübbecke gesagt. Sie möge nicht, wenn Fremde sich ihren Welpen nähern. Auch Ginas Brüder bekam Janina Meding nicht zu sehen. An Informationen über die neue Besitzerin seines Welpen war der sogenannte Züchter auch nicht interessiert.
"Das kam mir schon komisch vor", sagt Meding, die inzwischen vermutet, dass der Mann Gina nicht gezüchtet, sondern billig aus dem Ostblock importiert und mit sattem Gewinn weiterverkauft hat. "Aber ich fand sie so süß." 500 Euro bezahlte die 21-Jährige für die Hündin. Nicht wissend, dass das Tier sie im Laufe seines ersten Lebensjahres das Vierfache kosten würde.
Meding erinnert sich an die Kämpfe zwischen dem Hund und der Familie. Die hatten nichts mit kindlichem Gerangel zutun.
"Sie war richtig verhaltensauffällig." Da war das Tier gerade einmal neun Wochen alt. Vor allem Männer machten der Hündin Angst. "Nicht einmal der Tierarzt hat sie noch anfassen wollen", sagt Meding. Und als wär das nicht genug, wurde der Hund krank: Allergien, Hüftgelenksschaden, Arthrose, Nieren- und Leberwerte auffällig. Allein der Besuch eines Spezialisten der Tierärztlichen Hochschule in Hannover kostete ein Vermögen - half aber nicht. Von den wöchentlichen Besuchen beim Tierarzt ganz zu schweigen.
Hilfe von Ginas Züchter bekam Meding auch nicht. Der Mann sei sehr schwer erreichbar gewesen, als sie ihn gebraucht hätte. Auch stehe im Vertrag, dass er nicht haftbar gemacht werden könne, solange man nicht beweist, dass Gina schon bei ihm auffällig gewesen ist.
"Das war eine schlimme Zeit", sagt Janina Meding, die nicht möchte, dass so etwas anderen arglosen Welpeninteressenten passiert. "Wäre ein Hund wie Gina bei Menschen gelandet, die nicht willens sind, die Tierarztkosten auf sich zu nehmen, dann säße sie jetzt im Tierheim oder wäre tot."
Heute kommt Janina Meding mit Gina viel besser klar. "Auch, weil ich jetzt selbst viel konsequenter mit ihr umgehe und selbstsicherer bin." Auch die Angst des Tieres vor Männern sei nicht mehr so groß. Gebessert haben sich auch die Leber- und Nierenwerte - nach einer Behandlung durch eine Tierheilpraktikerin.
Und nun? "Jetzt ist unser nächstes Ziel der Hundeführerschein."