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08.02.2010
LÖHNE
Abtauchen in eisige Welten
DLRG probt für Ernstfall im Fichtensee
VON CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER

Gleich wird’s nass | FOTO: CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER

Löhne. Wenn Peter Torweihe und seine Kollegen Taucheranzug, Schwimmflossen und die Pressluftflasche anlegen, machen sie sich bereit für das Abtauchen in eine andere Welt. In eine faszinierende, geheimnisvolle Unterwasserwelt, die im Winter unter der Eisschicht zu einem Gefängnis werden kann. Am Wochenende übten die Männer von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Löhne für den Ernstfall im vier Grad kalten Wasser des Fichtensees.

Nach 20 Minuten im eiskalten Wasser steigt Guido Spanka aus dem Gewässer. In einem so genannten Trockenanzug bleibt der Einsatztaucher wie der Name schon verrät - trocken. Nur Gesicht, Hände und Füße kühlen ziemlich schnell ab, trotz Schwimmflossen und -brille.

Mit einer Pressluftfalsche auf dem Rücken und Blei um Hüfte und Fußgelenke taucht Guido Spanka mit 25 Kilogramm Gepäck. "30 Minuten sind wir im Einsatz unter Wasser, dann wird getauscht", erklärt Peter Torweihe. "Kalt ist es nicht, weil uns die Anzüge gut schützen. Selbst mit einem Nassanzug ist nur der erste Moment kalt, wenn das Wasser eindringt." Nach einer Weile nehme es die Körpertemperatur an.

Für Menschen, die nicht tauchen, ist es bei zwei Grad Luft- und vier Grad Wassertemperatur kaum vorstellbar, dass die Einsatztaucher nicht frieren. Allein das Zusehen verursacht Gänsehaut.

"Die Sicherheit geht immer vor, deshalb bleiben wir nur eine halbe Stunde unter dem Eis", sagt Torweihe. "Der Taucher ist mit einem Seil mit einem Signalmann verbunden. Außerdem ist immer ein Ersatztaucher mit eigenem Signalmann bereit, um zu helfen." Nach dem Ausflug in die Unterwasserwelt ziehen sich die Einsatztaucher in einem beheizten Anhänger um. "Nur die Fußbodenheizung haben wir vergessen", scherzt Ralf Weidenbörner.

Für die ehrenamtliche Arbeit als Einsatztaucher sind nicht alle Mitglieder der DLRG geeignet. "Viele beginnen als Sporttaucher. Aber es ist etwas völlig anderes im warmen Wasser in Ägypten zu tauchen oder im Winter in den Fichtensee zu steigen", sagt Peter Torweihe. "Die schönste Sicht hat man aber im Winter. Wenn das Eis blank ist und die Sonne durchscheint, ist es wie ein Blick durch das Fenster. Wunderschön." Einsatztaucher Mario Schildmann erinnert sich an einen Einsatz im Weserbogen: "Das Eis war so klar, dass sich eine Mutter und ihr Kind beim Durchgucken vor mir erschrocken haben."

Unter Eis zu tauchen ist eine Herausforderung. "Wir üben, damit wir im Ernstfall sofort bereit sind", erklärt Torweihe. Unter dem Eis sei man gefangen. Der Einstieg sei gleichzeitig Ausstieg. "Da darf keine Panik aufkommen." Außerdem werden Einsatztaucher häufig alarmiert, wenn es kaum noch Hoffnung gibt. "Wir bergen Leichen und oft hat man dabei schlechte Sicht. Das kann einfach nicht jeder." Die Einsatztaucher der Löhner DLRG arbeiten ehrenamtlich und finanzieren sogar die Ausrüstung selbst. "Idealismus ist unser Antrieb", erklärt Torweihe, der seit 45 Jahren taucht. "Schade, dass es von Jahr zu Jahr weniger werden."

Auf einen Spaziergang oder eine Schlittschuhfahrt sollte man auf dem Fichtensee oder anderen Eisflächen in Löhne verzichten. "Das Eis misst nur noch fünf Zentimeter. Unter gar keinen Umständen sollten die Eisflächen betreten werden", warnt Torweihe. "Durch den vielen Schnee und die starken Temperaturschwankungen ist die Eisschicht mit zu viel Sauerstoff durchsetzt. Das sorgt für wenig Stabilität." Ohne Bedenken das Eis betreten, kann man erst ab einer 20 Zentimeter dicken Schicht, empfiehlt der Experte.


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