Löhne. Der erste epileptische Anfall war ein Schock für Christian (26). Heute, zwei Jahre später, hat sich der Löhner mit seiner Behinderung arrangiert. Er will normal weiterleben. Dazu gehörte für den jungen Mann bislang auch der Besuch seiner Leib- und Magendisko, dem Herforder Go Parc. Bis ihm neulich abends zwei Türsteher sagten, er solle "die Fresse halten" und "sich verpissen". Er hatte um einen Stuhl gebeten.
Sicher sei es nicht gerade förderlich, wenn ein Epileptiker sich den flirrenden Lichtern und der Lautstärke in einer Diskothek aussetze, räumt Christian ein. Er habe aber keine Lust, sich von seiner Behinderung den Spaß am Leben verderben zu lassen.
Er tanzt, er palavert mit Freunden und er trinkt Bier, wie alle anderen das auch tun. Allerdings "betrinke ich mich nicht". Christian nimmt starke Medikamente, die ihm einige Kilos mehr auf den Hüften beschert haben, die ihn aber auch seit eineinhalb Jahren vor Krampfanfällen bewahren. So kommt es vor, dass er öfter müde ist, sich manchmal nicht gut fühlt.
Erinnerungen gehen auseinander
So auch während seines letzten Go-Parc-Besuchs. "Ich war irgendwie schlapp, wollte mich in der Pizzeria hinsetzen und etwas essen." Christian fand einen freien Stuhl und nahm Platz, sein Kumpel bestellte am Tresen etwas zu Essen. "Als der nebenstehende Tisch frei wurde, stand ich auf und wollte mir einen freien Hocker nehmen." Von dem Moment an gehen die Erinnerungen der Beteiligten auseinander.
Ein Mitarbeiter des Sicherheitspersonals habe sich den Stuhl geschnappt, der hinter Christian stand und gesagt, der Hocker sei besetzt, der Kollege sei nur auf der Toilette, erzählt der 26-Jährige. "Dann hat er mich ausgelacht."
Nach dem Hinweis, er sei schwerbehindert und es gehe ihm nicht gut, habe Christian darum gebeten, ihm den Stuhl zurückzugeben. Er solle seine "Schnauze halten" und sich "verpissen" habe der Türsteher entgegnet. Weiterhin habe er gedroht, Christian rauszuschmeißen. "Ein anderer Gast, der das Ganze mitbekam, war so nett, mir seinen Stuhl anzubieten." Das Personal habe nur hämisch gelacht.
"Ich bin unglaublich enttäuscht"
Auf Party habe er danach keine Lust mehr gehabt und sei sehr gekränkt gewesen. "Eigentlich sollen sich die Angestellten einer Disko um das Wohl der Gäste kümmern und sie nicht so behandeln, finde ich." So verließen er und sein Kumpel den Laden wenig später. Am Ausgang trafen sie einen der Türsteher wieder und Christian erkundigte sich nach dessen Namen. "Er hat nur gesagt, ich solle mich verpissen."
Christian möchte die Geschichte nicht so stehen lassen. "Ich bin unglaublich enttäuscht." Er schrieb einen Brief an Clubmanager Arjan Schoppink und forderte eine Entschuldigung. In der Antwortmail hieß es, Christian solle das Ganze einfach vergessen. Aus Sicht der Türsteher sei die Geschichte anders abgelaufen. Christian soll "sehr provokant aufgetreten" sein, obwohl die Securities ihm den Hocker überlassen hätten.
"Das ist Quatsch", sagt Christian und fordert eine adäquate Entschuldigung. Dem Go Parc hat er geschrieben, dass er auf weitere Schritte verzichten wird, wenn man ihn für einen Abend inklusive Getränke und der verpatzten Pizza einlade. "Damit könnte ich mich auch anfreunden."
Arjan Schoppink erklärte gegenüber der NW, es sei überhaupt nicht zu erkennen gewesen, dass der junge Mann schwerbehindert ist. Schoppink weiter: "Behinderte Personen sind im Go Parc außerdem immer willkommen." Er vermutet, dass "es dem Gast nur um einen Gratis-Abend geht".