Löhne. Gelassenheit. Mit diesem Wort lässt sich umschreiben, wie Küchenhersteller wie Nolte auf die Kampfansage von Ikea reagieren. Der schwedische Möbelgigant will den deutschen Produzenten Marktanteile abjagen. Geschäftsführer Hans Hermann Hagelmann sagte im Gespräch mit der NW, Ikea würde nur mit Nebelkerzen um sich werfen. Die deutschen Küchen seien gar nicht so viel teurer.
"Es ist verrückt, wenn Küchen 20.000 bis 30.000 Euro kosten und bei Ikea gibt es für 5.000 Euro eine genauso funktionale Küche", sagte der neue Ikea-Chef Mikael Ohlsson in einem Gespräch mit der Presseagentur dpa.
Hans Hermann Hagelmann, Geschäftsführer von Nolte-Küchen ist fast schon ein wenig amüsiert, als er auf diese Preisangaben des Ikea-Chefs eingeht. "Der Durchschnittspreis einer in Deutschland gekauften Küche liegt bei 6.000 Euro. Küchen mit einem Endverbraucherpreis von über 15.000 Euro machen vier Prozent des Marktes aus."
Bei Ikea kosten Montage und Anlieferung extra
Da sei es eher "eine schräge Aussage", wenn Ohlsson damit den Eindruck erwecke, dass Küchen in Deutschland mindestens soviel Geld kosten, wie ein guter Mittelklasse-Pkw. Hagelmann betont, dass die deutschen Produzenten "und Nolte natürlich erst recht", bei einem Vergleich mit den Schweden eher besser abschneiden würden. "Wenn sie für 5.000 Euro eine Küche von uns kaufen, dann sind eine intensive Beratung, die Planung und die Montage im Preis eingeschlossen." Bei Ikea müssen Montage und Anlieferung extra bezahlt werden.
Hagelmann ist überzeugt, dass Ikea von seinem Image profitiert. "Wer bei Ikea kauft, der glaubt an die Philosophie und der ist auch überzeugt davon, dass Ikea günstiger ist." Dabei werde auch über die Anzeigen und Beilagen diverser Möbelhäuser immer wieder deutlich, dass Küchen für 5.000 Euro nicht ungewöhnlich sind.
Hagelmann setzt darauf, dass auch für Unternehmen wie Nolte immer noch genug vom Kuchen übrigbleibt, auch wenn Ikea aggressiver agieren will.
Eine Küche für 999 Euro
Einen ganz anderen Kuchen hat Nolte im Blick mit Express-Küchen, die in der Nachbarschaft zum Nolte-Werk in Melle hergestellt werden sollen. "Da geht es uns darum, im unteren Preissegment bei Märkten wie Boss und Roller vertreten zu sein", sagt Hagelmann.
Dort sei die klassische Nolte-Küche nicht zu vermarkten. Bei Express Küchen, die zur nächsten Hausmesse im September die ersten eigenen Küchen zeigen wollen, hat die Küche einen Einstiegspreis von 999 Euro für einen einfachen Küchenblock.
Bewusst habe man sich dafür entschieden, die neue Linie nicht nur namentlich, sondern auch produktionstechnisch und organisatorisch von Nolte zu trennen. "Da ist das alte Habemat-Gelände in Melle ideal geeignet." Nolte leiste lediglich Geburtshilfe. "Dann muss das Baby aber alleine klar kommen."
Mit Prognosen, wie sich Nolte-Küchen in diesem Jahr entwickeln wird, tut Hagelmann sich schwer. "Wir hatten zwar einen guten Januar im Inland. Aber damit fangen wir die Verluste im Ausland nicht auf."
Hagelmann fürchtet, dass es noch mindestens zwei bis drei Jahre dauern werde, bis zum Beispiel auf einem so wichtigen Markt wie Spanien die Verluste aufgefangen seien. "Besonders spürbar ist im Ausland der Einbruch des Projektgeschäftes", so Hagelmann. "Wir haben oft geklagt, dass unser Exportanteil so gering ist. Jetzt bin ich froh, dass er nicht höher ist. Denn im Inland haben wir 2009 die gleichen Umsatzzahlen erzielt wie 2008.
Für Nolte-Küchen gilt, auch 2010 halbwegs vernünftig durchzukommen. Hagelmann: "Ich glaube nicht, dass wir mehr Küchen verkaufen als 2009."
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