Löhne. Aufatmen bei Olho: A b dem 1. April gehört der insolvente Automobilzulieferer dem amerikanischen Unternehmen Key Plastics. "Das war ein hartes Stück Arbeit", sagte Insolvenzverwalter Hans Peter Burghardt nach der Einigung im Gespräch mit der NW.
Spitz auf Knopf muss es in der Endphase der Verhandlungen gestanden haben. Nachdem zunächst mehrere Investoren über einen Einstieg bei Olho verhandelt haben, blieb zum Schluss nur noch Key Plastics übrig. "Die Verhandlungen wurden natürlich nicht einfacher, als unseren Gesprächspartnern klar wurde, dass sie die einzige Alternative sind", erklärt Burghardt.
Die Probleme, weitere Investoren bei der Stange zu halten, seien auf die Besonderheiten in der Automotive-Branche zurückzuführen. "Da gibt es eben ganz eigene Gesetzmäßigkeiten aufgrund der brutalen Abhängigkeit von den Kunden."
Nach entsprechend "zähem Ringen" sei es zum Glück bei den Verhandlungen mit Key Plastics zu einem für alle Seiten tragbaren Ergebnis gekommen. Der Knackpunkt in den Verhandlungen mit Key Plastics sei nicht der Kaufpreis von Olho in Löhne gewesen. "Es ging um das Tochterunternehmen von Olho in Tschechien, das von der Insolvenz nicht betroffen war. Auch dafür haben wir eine Lösung gefunden. Jetzt gehört Olho Tschechien mit zum Paket." Natürlich sei auch diese Einigung über den Preis gegangen.
Am Preis ist letztlich eine andere Option gescheitert. Ein sogenannter Management Buy Out. Bei diesem Modell beteiligen sich Führungskräfte am Unternehmen. An dieser Lösung war nach Informationen der NW auch Noch-Geschäftsführer Carsten Oleff interessiert. "Leider ist die Familie Oleff jetzt ganz raus", sagt Burghardt.
Er ist zufrieden, dass es jetzt für 243 Mitarbeiter, darunter 17 Auszubildende, eine Perspektive gibt. "Einen entscheidenden Beitrag haben die Mitarbeiter geleistet. Ohne ihr Entgegenkommen wäre das so nicht gegangen", betont der Insolvenzverwalter. Da habe er mit der Belegschaft bei der Olho-Tochter in Sinsheim ganz andere Erfahrungen gemacht. Dieses Unternehmen wird zum Ende des Monats geschlossen.
Die Mitarbeiter in Löhne hatten gestern Grund zum Feiern. "Wir sind begeistert, dass es nach langem Hin und Her geklappt hat", sagt der Betriebsratsvorsitzende Ehlert. Sehr schade sei, dass viele Kollegen entlassen wurden. "Wir haben rund 120 Leute verloren. Das ist eine schlimme Sache, aber es gab wohl keine andere Chance. Auch Ehlert lobt die Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter. "Wir waren immer eingebunden. Es wurde mit offenen Karten gespielt."
Burghardt geht davon aus, dass auch der neue Inhaber Olho in Löhne als Produktionsstandort erhalten wird. "Das sind keine Heuschrecken, sondern strategische Investoren." Pessimismus hält Burghardt unmittelbar nach der Einigung nicht für angebracht. Fest steht aber auch: "Die Automobilindustrie ist noch längst nicht raus aus der Krise. Es wird noch den einen oder anderen erwischen. Wer überlebt, hat aber die Chance, aus der Krise gestärkt hervorzugehen."