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13.03.2010
LÖHNE
Von Freud und Leid mit alten Mauern
Wenn Denkmalschutz für Hausbesitzer zum Problem wird
VON ALEXANDRA BUCK UND MATTHIAS TONHÄUSER

Licht aus | FOTO: ALEXANDRA BUCK

Löhne. Das Einfamilienhaus im Grünen ist ihnen zu langweilig. Individualisten leben heute in Denkmälern. Verlassene Kirchen, Pferdeställe und Bauernhöfe von anno dazumal - traumhaft. Vorausgesetzt, die Besitzer haben das nötige Kleingeld, die alten Schätze in Schuss zu halten. Wenn nicht, wird der Schatz schnell zum Klotz am Bein. Hans-Wilhelm Schäffer hat es viel Zeit, Nerven und Geld gekostet, seinen alten Backsteinkotten an der Alten Werster Straße loszuwerden.

Das Backsteinhaus ist ein Augenschmaus. Schmutzig-roter Stein, verzierte Tür, die charmante Ausstrahlung eines Gebäudes, das in 112 Jahren viel mitgemacht hat. So charmant, dass das Westfälische Amt für Denkmalpflege und die Stadt Löhne es unter Denkmalschutz stellten.

Hans-Wilhelm Schäffer empfand es aber nicht als Ehre, Besitzer eines Denkmals zu sein. "Wir wollten das nicht. Aber wir hatten überhaupt kein Mitspracherecht." Wer ein Denkmal sein Eigen nennt, der muss es in Schuss halten. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Und das kostet seinen Besitzer unter Umständen viel Geld, seit das Amt für Denkmalpflege in wirtschaftlich schlechten Zeiten nicht mehr so freigiebig mit Zuschüssen ist.

Diese Tatsache ist ein Quell der Auseinandersetzungen. Eineinhalb Jahre hat Hans-Wilhelm Schäffer dafür gestritten, das Haus abreißen zu dürfen. Außerdem hat ihn die Erlaubnis zum Abriss eine Stange Geld gekostet, die er für den Gutachter bezahlt hat. Der hat nachgewiesen, dass der Zustand des Hauses dessen Erhalt nicht rechtfertigt.

"Bevor ich für 240.000 Euro restauriere, baue ich lieber neu." Dem Haus fehlt unter anderem jegliche Wärmedämmung: "Diese Energiekosten bin ich nicht bereit aufzubringen", sagt Schäffer. Sie schreckten auch mögliche Käufer für das Gebäude ab. "Fünf Parteien waren interessiert. Jetzt habe ich noch einen Interessenten. Der hat sich länger nicht gemeldet."

Die ganze Wahrheit des Backstein gewordenen Traums offenbart sich erst, wenn man das Innere des Hauses betritt. Da wähnt sich der Betrachter in einer anderen Welt. Einer sehr unkomfortablen Welt. Schäffers Tante hatte das Haus bis 2006 bewohnt. Allerdings unter Umständen, die Otto-Normal-Hausbewohner eher nicht akzeptieren würde. Zerfressenes Holz, zerstörter Fußboden, sanitäre Anlagen, die anmuten wie ein Relikt aus lange vergangenen Zeiten - eine einzige Zumutung.

Doch nun ist es ja geschafft. Der Rat der Stadt hat Schäffers Abrissbegehren zugestimmt.

Wenig begeistert dürfte darüber Markus Fischer, Pressesprecher des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), sein. Der LWL ist für den Denkmalschutz in der Region zuständig. Fischer sagt, man sei natürlich darauf bedacht, Denkmäler zu erhalten: "Unser Amt heißt Denkmalpflege. Wir wollen Denkmäler erhalten, weil sie Geschichtszeugnisse aus Stein sind."

Nun mache der LWL nicht jedes altes Gebäude zu einem Denkmal: "Es kann auch sein, dass man dem Eigentümer nicht zumuten kann, ein Gebäude zu erhalten, weil das zu teuer ist." Ein Beispiel sei eine alte Stahlhütte in Hattingen, die zwar schön, aber im Unterhalt sehr aufwändig sei. Wenn ein Gebäude ein Denkmal sei, bedeute dies auch nicht, dass man es überhaupt nicht verändern dürfe. "Es kann auch sein, dass man ein Gebäude abreißen darf, weil es seinen Wert als Denkmal verloren hat, etwa durch einen Brand."

Auch manche Kommune ist froh, wenn sie nicht alle Denkmäler "behalten" muss. Weil die Kassen leer sind, freuen sich Stadtkämmerer, wenn sie Sanierungsfälle loswerden. So warten vielerorts ausgediente Schulen, Gerichtsgebäude, Kasernen und Mühlen auf neue Eigentümer.


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