Löhne. Spätestens als Spielfilm mit Sir Peter Ustinov hat der Stoff Weltruhm erlangt: Dass Agatha Christies aber "Tod auf dem Nil" auch ganz prima ohne Detektiv Hercule Poirot funktioniert, hat jetzt die Laienspielgruppe in Obernbeck bewiesen. Sie feierte am Samstag mit dem gleichnamigen Theaterstück der erfolgreichsten Krimi-Autorin aller Zeiten Premiere.
150 Zuschauer drängen sich im Obernbecker Gemeindehaus. Die letzten Karten sind noch an der Abendkasse verkauft worden. Die Spannung ist schon vor der Vorstellung mindestens ebenso so groß wie später während des Stücks. Denn anders als im Film müssen die Zuschauer hier selbst ermitteln, sprich, ganz genau hinschauen. Wie gesagt: Der Detektiv kommt ja nicht vor.
Dann geht der Vorhang auf. Die Ereignisse an Bord des Dampfers "Lotus" nehmen ihren Lauf. Zunächst harmlos: Die Reisenden werden vom Steward (Bernhard Riedl) begrüßt. Ein Händler (Gerhard Baurichter) bietet seine Waren an.
Die Theatergruppe hat sich bewusst für einen Whodunit(Wer war es)-Krimi entschieden. Das Stück bringt das Publikum zum Miträtseln. Wie es sich für einen richtigen Krimi gehört, passiert ein Mord. Da gilt es genau hinzusehen, wer ein Motiv und wer die Gelegenheit hat.
Da ist die wohlhabende Kay Ridgeway (Frauke Baurichter), begleitet von Dienstmädchen Louise (Silke Blutte). Kay verbringt mit ihrem Ehemann, Simon Mostyn (Christian Homburg), ihre Flitterwochen auf dem Nil. Das Ehepaar wirkt erschrocken, als plötzlich auch Jacky (Magdalena Lindemann), die Ex-Verlobte von Simon und frühere beste Freundin Kays, im Salon erscheint.
Auch Simon ist nervös, obwohl er nichts mehr für Jacky empfindet: "Ich war in Jacky irgendwie verliebt, aber sie war wie der Mond am Tage, wenn die Sonne aufgeht - sie verblasste." Als Kays Patenonkel, Reverend Pennefather (Hans-Wilhelm Homburg), an Bord auftaucht, wächst die Spannung. Es mehren sich die Zweifel der Zuschauer: Hier stimmt etwas nicht. Der Reverend wirkt keinesfalls wie ein Geistlicher. Er macht keinen Hehl daraus, Geld für sein "besonderes Projekt" zu sammeln: "Für alle Fälle habe ich Blankoschecks dabei."
Auch der mysteriöse Smith (Dirk Windmann) benimmt sich merkwürdig. Er geizt nicht mit Anspielungen und scheint seine Mitreisenden keinen Augenblick aus den Augen zu lassen. Ebenso die Ärztin Frau Doktor Agropulus (Annette Lindemann), die auffallend großzügig mit ihren Injektionen umgeht.
Und welche Rolle spielt die versnoppte Fräulein Foliot-Foulkes (Marie-Luise Hagemeier), die mit ihren spitzen Kommentaren das Publikum immer wieder zum Schmunzeln bringt, obwohl sie ihre Mitreisende Nichte Christina Grant (Andrea Kassebaum), ständig gängelt und tyrannisiert.
Frank Greimann ist begeistert. "Seit über 30 Jahren existiert die Gruppe und ich bin fast immer mit dabei. Das Stück ist toll." Jutta Helling genoss es doppelt: "Ich gehe gerne ins Theater und finde Agatha-Christies-Krimis großartig." Wilhelm Steinmann ergänzt: "Die technische Ausstattung beeindruckt. Sehr professionell."
Besonders, als die tödlichen Schüsse fallen. Die Effekte sind so gut, dass viele Zuschauer zusammenzucken. "Da habe ich mich total erschrocken", so Svenja Windmann.