Löhne. Er hat es nicht verlernt. Noch immer kann Löhnes früher Bürgermeister und heutiger AWO-Chef Werner Hamel politisch auf den Punkt kommen: "So funktioniert also unser kapitalistisches Wirtschafts- und Sozialsystem. Die kleinen Leute finanzieren es durch Arbeit und die Herren Ackermann, Zumwinkel, Baron von Finck und andere stecken sich die Taschen voll." So kritisierte Hamel in seinem Bericht für 2009 auf der Stadtverbandsdelegiertenkonferenz der AWO die gesellschaftlichen Zustände.
Er verurteilte die aktuelle Sozialpolitik auf Bundes- und Landesebene und nannte Wirtschaftsbosse und Bankmanager "Ausbeuter und Blutsauger". Hamel übte Kritik an der viel zu harmlosen Vorgehensweise gegen solch "üblen Gesellen" und verteidigte in einem Atemzug die ehrliche, oft nicht gut bezahlte Arbeit des Großteils der Bürger.
Besonders hervor hob er diejenigen, die sich zusätzlich noch ehrenamtlich für andere einsetzen. Nur durch das Engagement dieser Leute hätten soziale Einrichtungen wie die AWO eine Zukunft. Aktuell hat der Löhner Stadtverband 787 Mitglieder. "Generell sind die Mitgliederzahlen schwankend bis rückläufig und nur in Mennighüffen gibt es einen deutlichen Aufwärtstrend", berichtete Hamel.
Doch auch wenn er noch immer scharfzüngige Kritik üben kann - sein Amt als AWO-Chef hat er jetzt aufgegeben. Aus gesundheitlichen Gründen trat er nicht mehr zur Wahl an. Als neuen ersten Vorsitzenden wählte die AWO Günter Pieper mit einstimmigem Votum.
"Es sind große Schuhe, in die ich heute trete. Ich hoffe, dass ich diesem Vertrauen gerecht werden kann", erklärte Pieper. In seinem neuen Amt wolle er vor allem gegen den Mitgliederschwund vorgehen. "Dafür brauchen wir mehr Projekte, die einen breiteren Grad von Menschen ansprechen." Hauptsächlich lebe die AWO natürlich von Aktionen mit und für Senioren, "aber der Ortsverein Mennighüffen zeigt, dass auch eine gut funktionierende Jugendarbeit möglich ist." Trotz der hohen Fluktuation, die bei den Jüngeren auf Grund von Ortswechsel bedingt durch Studium oder Ausbildung programmiert sei.
Auf Unterstützung von der Stadt wird die AWO sich auch in Zukunft verlassen können. "Weitere Kürzungen sind meines Wissens nicht in Sicht", so Pieper: "Das wäre auch ein schlimmer Einschnitt." Schon die Kürzung der Hilfen um 20 Prozent vor ein paar Jahren hatte für ein Loch im AWO-Geldbeutel gesorgt.
Die ständig steigenden Energiekosten verstärkten dieses Problem nur noch. "Das Geld, das wir nun dafür ausgeben mussten, stand von da an nicht mehr für andere Dinge zur Verfügung. Dinge wie musikalische Beiträge auf Festen oder Gastredner. Das ist ja alles auch nicht umsonst."
Gastrednerin bei der Stadtverbandsdelegiertenkonferenz war Ulrike Böhm. Sie referierte und informierte über das Projekt "Gastfamilien für Senioren" sowie den neu gegründeten Betreuungsverein. Trotz aller Widrigkeiten schaut die AWO optimistisch ins Jahr 2010 und wird auch weiterhin für die Menschen da sein. Es sind schon wieder einige Reisen, sowie eine Senioren- und eine Weihnachtsfeier fest eingeplant.