Stadt will mittelfristig nur Standort Melbergen halten / Schulleiterin überrascht
Löhne. Haushaltsloch und demografischer Wandel fordern erste Opfer: Der Ortsteil Wittel wird mittelfristig ohne Schule auskommen müssen. "Wir werden den Standort nicht viel länger halten können", erklärt Dezernent Ulrich Blomenkamp. Wittel gehört zur Grundschule Melbergen-Wittel, die in zwei Gebäuden unterrichtet.
Die Anmeldezahlen auf dem Wittel sind rückläufig. Die ohnehin einzügige Abteilung hatte Mühe, eine Eingangsklasse für das nächste Schuljahr zusammenzubekommen. Das bestätigte gestern auf Anfrage die kommissarische Leiterin der Grundschule Melbergen-Wittel, Stephanie Held.
Man habe allerdings drei Kinder gefunden, die eigentlich den Standort Melbergen gewählt hatten, jetzt aber bereit sind, auf den Wittel zu wechseln. "Da alle drei etwa in der Mitte zwischen den Standorten wohnen, war das kein Problem", so Held. Sie ist überrascht vom Ansinnen der Verwaltung: "Bislang war uns gegenüber nie die Rede von einer Schließung, im Gegenteil."
Noch ist die Maßnahme nicht beschlossene Sache. "Das kann die Verwaltung nicht allein entscheiden", sagt Ulrich Blomenkamp: "Das muss der Schulausschuss tun." Diesem werden die Verwaltung in absehbarer Zeit den Vorschlag machen, den Standort Wittel aufzugeben.
Neben den sinkenden Schülerzahlen spielt vor allem das Geld eine entscheidende Rolle. Löhne befindet sich im Nothaushalt (wir berichteten) und hat somit den Auftrag, massiv zu sparen. Die Gemeindeprüfungsanstalt hatte in ihrem Gutachten festgestellt, dass die Stadt zu viele Flächen bewirtschaftet. Gemeint sind auch Gebäude. "Die Betriebskosten für den Wittel sind hoch", sagt Blomenkamp. Die wolle man auf Dauer einsparen: "Denn in Melbergen gibt es genug Kapazitäten für alle Schüler dieser Schule."
Erstmals hat die gesamte Schule Melbergen-Wittel zum neuen Schuljahr nur zwei Eingangsklassen. Schulleiterin Held rechnet mit insgesamt 36 Erstklässlern. Bislang gab es in Wittel einen Zug, in Melbergen zwei. Platz genug also für alle in einem Haus? "Das kommt darauf an", sagt Held: "Im Moment ginge das, aber was, wenn in Zukunft die Zahlen in Melbergen wieder steigen?"
Sie bedauert sehr, dass die Stadt plant, den Standort auf dem Wittel aufzugeben. "Denn eigentlich ist das das schönere der beiden Gebäude. Eine klassische Grundschule wie früher eben." Es gebe Eltern aus Bad Oeynhausen oder anderen Löhner Ortsteilen, die ganz bewusst die Witteler Schule wählten.
Held sieht eine Gefahr in der Aufgabe von Wittel. "Was, wenn die Kinder nicht alle stattdessen nach Melbergen kommen, sondern auf die Lohe, nach Exter, Löhne-Ort oder Gohfeld gehen?", fragt sie. Nach der Aufhebung der Schulbezirksgrenzen sei dies möglich. Das helfe dann am Ende der Melberger Schule ganz und gar nicht.
Held fordert für den Fall der Schließung, dass "das Gebäude in Melbergen nicht nur von außen saniert wird, wie es durch das Konjunkturpaket II geschieht, sondern dringend auch von innen".
Sollten Verwaltung und Politik den Wittel schließen, dann "wird das aber nicht von heute auf morgen passieren", versichert Ulrich Blomenkamp. Alle Klassen, die dort eingeschult würden, dürften ihre Grundschulzeit dort beenden. Darin sieht Schulleiterin Held ein Problem: "Wenn nur noch eine einzige Klasse am Schluss dort lernt - wie wollen Sie da ein normales Schulleben garantieren?"
Held will nun schnell das Gespräch mit der Schulkonferenz suchen: "Die Eltern werden wohl kaum begeistert sein von den Plänen", mutmaßt sie.