Löhne. Sie trägt seit fast sieben Jahren Zeitungen aus, doch noch nie ist ihr dabei etwas passiert. Gestern früh aber wurde NW-Botin Rita F. (Name geändert) überfallen. Wahrscheinlich ist es nur dem couragierten Auftreten der 66-Jährigen zu verdanken, dass sie mit ein paar blauen Flecken und einem gehörigen Schrecken davon kam.
Die Nacht verlief zunächst so, wie Rita F. das gewohnt ist. Bis etwa 4 Uhr. Da war die Botin laut Polizeiangaben gerade mit einem Paket Zeitungen in der Stettiner Straße von Haus zu Haus gezogen. "Dann wollte ich zurück zum Auto um weiterzufahren, als plötzlich ein Mann auf mich zukam", schildert die Botin der NW.
Der Mann habe eine Drohgebärde gemacht und gesagt: "Geld her." "Ich habe nur gerufen: ,Ich habe kein Geld bei mir'", sagt Rita F.. Sie führe grundsätzlich beim Austragen der Zeitungen kein Bargeld mit. Der Mann aber habe die Aufforderung wiederholt und sie festgehalten. "Er hat mich brutal am Unterarm gepackt", berichtet das Opfer und zieht den linken Ärmel hoch: Am Arm prangt ein großer Bluterguss.
Über eine Mauer in den Garten geschubst
Doch der Räuber hatte nicht mit der Entschlossenheit der kleinen Frau gerechnet. Sie versetzte ihm einen gezielten Tritt an empfindlicher Stelle und riss sich los. Der Täter war für einen Moment hilflos. "Da habe ich ihn kräftig geschubst und er ist rückwärts über eine kleine Mauer in einen Garten gestürzt."
Die Botin nutzte den Moment, flüchtete in ihren Wagen und fuhr davon. "Ein paar Straßen weiter habe ich erst mal eine Pause gemacht und tief durchgeatmet" - um dann halb unter Schock die restlichen Zeitungen auszutragen. "Warum auch nicht?", sagt die resolute 66-Jährige: "Die Leute brauchen doch ihre NW."
Auch Polizeisprecher Joachim Thater-Klas staunte gestern über den beherzten Widerstand der Zeitungsbotin. Eine generelle Empfehlung dazu wollte er jedoch nicht abgeben. "Das kommt tatsächlich immer auf den Einzelfall an", sagte er gegenüber der NW. Es gebe durchaus Situationen, in denen ein selbstbewusstes Auftreten und körperlicher Widerstand Sinn machten. "Mancher Täter lässt sich da vielleicht verscheuchen", so Thater-Klas. Gerade in bewohnten Gebieten lohne es sich auch, laut um Hilfe zu rufen.
Er rate jedoch dringend davon ab, Widerstand zu leisten, wenn man mit einer Waffe bedroht werde. "Dann sollte man den Aufforderungen der Täter lieber erstmal Folge leisten."