Unternehmensberater Wilfried Rominski kritisiert das Einzelhandelskonzept und nennt Beispiele für verpasste Chancen
Löhne. Die Lübbecker Straße in Löhne-Bahnhof soll so etwas wie die Löhner Innenstadt sein. Doch nur wenige Geschäfte halten seit Jahren durch. Ladenlokale stehen leer. "Heidis Modeboutique" schließt nach 40 Jahren. Rosig sieht es es also in der Innenstadt nicht aus. Durch das Einzelhandelskonzept sollte eigentlich alles besser werden. Der Löhner Unternehmensberater Wilfried Rominski hält es jedoch für einen Verhinderer bei der Ansiedlung von Gewerbe.
Die mächtigste Waffe des Einzelhandelskonzeptes ist die Möglichkeit, Ansiedlungen von Unternehmen außerhalb der Innenstadt zu verhindern. Das geht, wenn befürchtet wird, dass ein Laden mit seinem Sortiment bestehende Geschäfte schädigen oder die Ansiedlung neuer Geschäfte verhindern würde. Klingt gut. Tatsache ist aber, dass die Zahl der Geschäfte in der Innenstadt auch so rückläufig ist. "Dieses Konzept hat nicht dazu geführt, die Innenstadt zu stärken", findet Rominski.
Schlimmer noch: "Ich kenne mehrere Fälle, wo sich Unternehmen in Löhne ansiedeln wollten. Das war nicht möglich, weil eine Ansiedlung dem Einzelhandelskonzept widersprochen hätte."
Jüngstes Beispiel ist nach Rominskis Informationen der Versuch, einen Mobilfunkladen im Marktkauf anzusiedeln. "Das hat man genauso abgelehnt wie den Sonderpostenmarkt und den Internet-Retouren-Händler im Mahner Feld", sagt Rominski. Der Unternehmensberater kennt sich aus, weil er sich auch mit der Ansiedlung von Unternehmen beschäftigt.
Grund der Ablehnungen aus der Stadtverwaltung sei immer der Verweis auf den Schutz der Innenstadt gewesen. "Die Stadt verzichtet auf Steuereinnahmen und auf die Schaffung von Arbeitsplätzen am Rand der Innenstadt, in der sich trotzdem nichts tut. Wem soll denn ein Sonderpostenmarkt oder einen Internethandel den Todesstoß versetzen?", fragt Rominski.
Außerdem sei es sehr fraglich, ob ein Sonderpostenmarkt den richtigen Standort in der Innenstadt habe. "Ich finde es erstaunlich, dass sich die Stadt dieses luxuriöse Haltung leistet".
Weiteres Beispiel für diese aus seiner Sicht schwierige Grundhaltung von Stadt und Politik sei auch die Ablehnung, ein Casino im ehemaligen Möbel-Wohlfahrt-Gebäude anzusiedeln. "Das hätte mit einer Spielhölle nichts zu tun gehabt, sondern wäre in einer gehobenen Ausstattung gewesen. Andere Städte reißen sich um solche Einrichtungen. Nach meinen Informationen geht der Investor jetzt in die Nähe des Hüller Kreuzes in Kirchlengern". Es gebe nicht viele Kommunen wie Löhne, die freiwillig auf beträchtliche Steuereinnahmen verzichten.
Ulrich Niemeyer ist bei der Stadtverwaltung Löhne zuständig für die Wirtschaftsförderung. "Eine Diskussion über das Einzelhandelskonzept wäre wünschenswert", sagt Niemeyer. Sicherlich sei es nicht sinnvoll, "dass an allen Ecken und Kanten Einzelhandel zugelassen wird. Es wäre aber gut, dieses Thema differenzierter zu betrachten".
Einsteigen in diese Diskussion müsste die Politik. Das Einzelhandelskonzept basiert auf einem Ratsbeschluss. Rominski: "Ich bin gespannt, ob sich bei diesem Thema irgendwann etwas bewegt."
Rominski betont, dass er seine Heimatstadt liebt. Aber durch diese aus seiner Sicht verfehlte Politik werde Löhne immer unattraktiver. "Tatsache ist, dass viele junge Leute aus Löhne weggehen. Und das liegt auch an an der wenig anziehenden Innenstadt."