Investor will früheres Olho-Werk zu weltweitem Kompetenzzentrum machen / Löhne bleiben gleich
Löhne. Er war schon ein paar mal hier, doch noch immer faszinieren ihn die neuen Maschinen. "Schauen Sie", sagt Helmut Hinkel: "Das hier, das hat Zukunft." Gemeint ist eine vollautomatische Fertigung von Frischluftdüsen. Hinkel ist Deutschland-Geschäftsführer des Konzerns Key Plastic. Der ist beim insolventen Automobilzulieferer Olho eingestiegen. Gestern hat Hinkel erklärt, wie es weitergehen soll.
"Wir haben einen Großteil der Verträge übernommen", sagt Hinkel. Verträge mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern sowie die meisten Maschinen. Dass Key Plastics nicht das Gesamtpaket wollte, lag an der Finanzmisere von Olho: "Da wären wir ein zu hohes Risiko eingegangen", so Hinkel. Anders bei der tschechischen Tochter in Janovice: Die hat man komplett gekauft.
250 Arbeitsplätze bleiben durch den Einstieg des US-Konzerns in Löhne erhalten, 220 in Janovice. Für Löhne bedeutet das den Wegfall von einem Drittel der Jobs (120). Mehr sollen es nach dem Willen des Geschäftsführers nicht werden. "Wir wollen das Stammpersonal konstant halten", sagt Hinkel.
Man ergänze das je nach Auftragslage mit Leiharbeitern, lege aber Wert auf das Wissen der Festangestellten. "Beim Know How steht das Unternehmen sehr gut da."
Der neue Name lautet "Key Plastics Löhne", an Olho erinnert bald nichts mehr. "Nächste Woche verschwindet der alte Schriftzug von der Produktionshalle", kündigt Manager Dieter Mack an. Er ist der einzige aus der früheren Chefetage, der nach dem Ausscheiden der Familie Oleff geblieben ist. Als Grund für die Insolvenz nannte Mack auch das zu rasante Wachstum in den Jahren 2004/2005: "Es ging lange aufwärts, aber als die Krise kam, war der Umbruch finanziell noch nicht vollendet."
Doch das war gestern. "Jetzt geht es voran", sagt Helmut Hinkel und schildert seinen Plan: "Wir wollen Löhne zum weltweiten Kompetenzzentrum für Frischluftdüsen machen."
Neben dem Ausbau zum Kompetenzzentrum sieht Hinkel die Hauptaufgabe darin, das Werk auszulasten. "Im Moment ist das so, aber das soll auch so bleiben. Deshalb müssen wir neue Aufträge heranschaffen." Vorübergehend übernimmt der Betrieb Konstruktionsaufgaben für die anderen drei Standorte in Deutschland.
Der Zukauf von Olho - möglich durch ein "sehr gutes Jahr 2009 für den Konzern" - ergänze Produktportfolio und Kundenkreis. So gesellt sich etwa zu Ford USA nun Ford Europa. Key Plastics (Hauptanteilseigner ist eine Fondsgesellschaft in Minnesota) wiederum stellt Kontakte her, unter anderem zu BMW und Mercedes.
Breit aufgestellt zu sein, sei überlebenswichtig: "Der Automobilmarkt ist brutal und erfährt eine Bereinigung", so Hinkel. Die sei noch nicht vorbei. Er glaube, dass noch mancher Zulieferer durch die Wirtschaftskrise ins Schlingern gerät.
Und was, wenn durch den Wegfall der Abwrackprämie der nächste Einbruch kommt? Dieter Mack: "Wir haben von der Prämie kaum profitiert und werden vom Ende der Regelung keine Nachteile haben." Olho stelle vor allem für teurere Fahrzeuge her. Gefragt waren bei der Prämie eher Kleinwagen. Auch der Umsatz mache Hoffnung. "Es läuft besser als erwartet."
Das hat wohl auch die Belegschaft gedacht, als sie erfuhr, dass der neue Arbeitgeber den gleichen Lohn zahlt wie der alte. "Andere Interessenten hatten klar gemacht, dass das nicht ihre Absicht ist", berichtet Betriebsratschef Andreas Ehlert.
Am stärksten vom Jobabbau betroffen waren die Ingenieure. "Aber gerade für sie haben wir Hoffnung, dass sie schnell etwas neues finden", sagt Personalleiterin Marianne Heßler: "Die Experten sind schließlich gefragt."