Löhne. Irgendwie gehört die Ulenburg - zumindest gefühlt - allen Löhnern. Dieses Gefühl geht auch im Rat soweit, dass sich eine Mehrheit dafür fand, die Verwaltung zu beauftragen, für ein Hinweisschild an der Autobahn 30 auf die Ulenburg zu sorgen. Mit den Stimmen von SPD und LBA wurde dieser Beschluss gefasst.
"Die Ulenburg ist das Wahrzeichen der Stadt. Es ist an der Zeit, darauf hinzuweisen", so der SPD-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Böhm. Dass das Schloss nicht besichtigt werden kann, ist für ihn kein Problem. "Das Schloss ist auch von außen so attraktiv, dass man das sehen muss."
Ein Problem ist jedoch, dass Schloss und Park nicht der Stadt sondern dem Wittekindshof gehören. Nach einem Glatteis-Unfall im vergangenen Winter wurde aus rechtlichen Gründen das Park-Schild "Betreten erwünscht" gegen ein Verbotsschild ausgetauscht. Besucher dürfen also zurzeit weder ins Schloss noch in den Park.
Sollten sich Autofahrer animiert fühlen, wegen des Schildes die Autobahn zu verlassen, um die Ulenburg zu besichtigen, könnte sich deren Begeisterung in engen Grenzen halten, wenn sie feststellen, dass ihr Weg vergeblich war.
Dieses Problem sieht auch die Verwaltung, die von einer Beschilderung abrät. "Eine sachgerechte Begründung der Hinweisbeschilderung gegenüber dem Straßenbaulastträger fällt zum gegenwärtigen Zeitpunkt äußerst schwer", schreibt Baudezernent Wolfgang Helten.
Auch Grüne und CDU haben Bedenken. "Man sollte abwarten, bis sich die Situation geändert hat", sagte Silke Glander-Wehmeier, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Das sieht auch Dr. Tim Ostermann, Fraktionschef der CDU, so: "Das jetzt zu beantragen wäre ein Fehler, weil die Voraussetzungen nicht stimmen."
Dr. Hermann Ottensmeier, Fraktionsführer der LBA, setzt dagegen auf den psychologischen Effekt. "Ein solches Schild hätte überregionale Außenwirkung. Da ist es sekundär, ob das Gebäude aufgesucht werden kann oder nicht.
Der Rat hat das Thema diskutiert, ohne dass der Wittekindshof von der Idee wusste. Auf Anfrage der NW äußert sich Dieter Hakenberg, kaufmännischer Vorstand: "Der Vorschlag, ein Autobahnhinweisschild aufzustellen, ist charmant, aber zurzeit unzweckmäßig, weil suggeriert wird, dass man ein Baudenkmal besuchen kann. Dann muss man vor Ort feststellen, dass das Schlossgelände aus Sicherheitsgründen nicht besucht werden kann. Wir empfehlen, die Umsetzung der Entscheidung auszusetzen."
Bevor etwas ausgesetzt wird, soll sich die Verwaltung einsetzen. Und zwar für das Schild. Mit den Stimmen der SPD und LBA und damit der Mehrheit, wurde die Verwaltung aufgefordert, zu prüfen, ob ein Schild installiert werden kann. Dafür ist der Bezirksregierung zuständig.
"Wir kümmern uns um die Formalitäten", sagt Reinhard Weitz, Verkehrsdezernent bei der Bezirksregierung. "Etwa zweimal im Jahr kommt im Landesverkehrsministerium ein Beraterkreis zusammen, der klärt, ob ein Objekt ausschilderungswürdig ist", sagt Dietz. Wenn es ein Schild geben darf, wird geklärt, ob es eine geeignete Stelle gibt. Wenn dieser Platz gefunden wurde, kann das rund 5.000 Euro teure Schild aufgestellt werden. Die Kosten trägt die Stadt.
In OWL gibt es zahlreiche Hinweisschilder an Autobahnen. Sie verweisen zum Beispiel auf den Kurpark Bad Oeynhausen oder die historischen Altstädte von Bad Salzuflen und Detmold. "In dieser Liga bewegt sich das Anforderungsprofil", sagt Weitz, der nichts über die Chancen der Ulenburg sagen möchte.
Auffällig ist allerdings, dass sowohl der Kurpark in Bad Oeynhausen aus auch die Städte Bad Salzuflen und Detmold betreten werden dürfen.
ZWISCHENRUF - So macht sich eine Stadt unbeliebt
Löhne ist nicht wirklich als beliebter Touristenort bekannt. Da klingt die Idee, mit einem Hinweisschild auf die Ulenburg zu verweisen wirklich gut. Besucher könnten sich animiert fühlen, von der Autobahn abzufahren und die Ulenburg zu besichtigen.
Leider können weder Schloss noch Park besichtigt werden. Diese Tatsachen sind SPD und LBA offensichtlich egal.
Dass sich eine Stadt bei Besuchern, die auf das Schild reinfallen, extrem unbeliebt macht, scheint nicht so wichtig zu sein. Wenigstens könnten die Besucher zu Hause erzählen was, ihnen in Löhne passiert ist. Da bekommt der Begriff Schildbürgerstreich eine ganz eigene Bedeutung. Und auch die Frage, ob die Stadt es sich leisten kann, 5.000 Euro für ein solches Schild auszugeben, sollte erlaubt sein. Sollte es soweit kommen, wird sich bestimmt der Bund der Steuerzahler dieses Themas gerne annehmen.
Dirk Windmöller
dirk.windmoeller@ihr-kommentar.de
Jetzt bekommen wir ja sogar einen Musikbunker. Die Werretalhalle, eigentlich ein Industriebau, sieht dagegen richtig schnuckelig aus.
Oder willst du Chris, vielleicht andeuten, das die Ulenburg abgerissen wird, und durch einen 10 stöckigen Leuchtturm ersetzt wird? Zuzutrauen wäre es der Stadt auf jedenfall.