Löhne. Eine Lebenskrise? Da schmunzelt Günter Bollmann. Männer tun mit Mitte 40 Dinge, die sie immer schon mal machen wollten. Motorrad fahren zum Beispiel, sich den Wind um die Nase wehen und den lieben Gott einen alten Herrn sein lassen. Aber mit Mitte 70? Bollmann ist ein alter Herr, Ehemann, Vater und Großvater. Vor kurzem hat er seinen 75. Geburtstag gefeiert.
Von Krise ist bei ihm keine Spur. Im Gegenteil. Er startet den Anlasser und dreht am Gashahn seiner 1100er Yamaha. Dazu macht das Motorradfahren einfach zu viel Spaß.
Vor einem Monat ist er mit fünf Gleichgesinnten in die USA geflogen und hat das gemacht, was andere mit Mitte 40 tun: eine Motorradreise auf der Harley über Amerikas legendäre Route 66.
Mach's oder stirb
Stefan Hoppe aus Verl, 43 Jahre, hat die Fahrt im Mai organisiert. Hoppe erzählt von der Tour, während er im Wintergarten bei Bollmanns in Gohfeld nach passenden Bildern sucht: "Unser Motto war ,Do or Die'", sagt er, und weil Günter Bollmann kein Englisch spricht, übersetzt Hoppe: "Mach’s oder stirb!"
Der Senior nickt. Er hat’s gemacht und sich einen alten Traum erfüllt. Auf dem 40. Geburtstag des Schwiegersohns haben sich die beiden getroffen und den Plan ausgeheckt. Wenige Wochen später klingelte das Telefon in Gohfeld. "Bist du bereit?", fragte Stefan Hoppe. Und Günter Bollmann sagte zu.
Das letzte Mal ist Günter Bollmann im April 1945 einem Amerikaner begegnet. "Das war der erste Schwarze, den ich gesehen habe", erinnert er sich. Damals war er zehn Jahre alt und bekam Zigaretten von dem Soldaten.
Ein Bündel Dollarnoten im Brustbeutel
65 Jahre später ist er mit einem ganzen Bündel Dollarnoten in die USA gereist. In der Nacht vor der Abreise hat seine Ehefrau noch einen Brustbeutel aus Leder genäht, damit alle Scheine hineinpassen. Die anderen fünf Biker zahlten mit Kreditkarten.
In den Vereinigten Staaten beißt Günter Bollmann in seinen ersten Burger, frühstückt Weißbrot von Plastikgeschirr und wundert sich, dass der Kellner so schnell die Teller abräumt.
"In den USA ist alles groß", sagt er. Die Hotelbetten, die Steaks, die Straßen und auch die Motorräder beim Reiseveranstalter. Bollmann ordert eine Nummer kleiner: "Sonst wäre ich mit den Füßen nicht auf den Boden gekommen."
Meilenweit kein Gegenverkehr
Dafür fehlen Radio und ein Navigationssystem. "Das Navi braucht man nicht", sagt Stefan Hoppe. Es geht geradeaus. Meilenweit gibt’s keinen Gegenverkehr. Nur in der Wüste huscht ab und zu eine Klapperschlange über die Straße.
Die fünf Junioren drehen das Radio auf und lauschen durch die Halbschalen-Helme. Günter Bollmann hat nur den Klang des Motors. Es ist eine 1200er Harley mit Sitzen so groß wie Fernsehsessel.
Seine Yamaha daheim ist nur ein bisschen kleiner. Vor neun Jahren hat er das Motorrad gekauft. Zur Rente. Mit Freunden fährt er oft, mit seiner Ehefrau auf dem Sozius bisher nur einmal bis zum Köterberg. "Mit so ’ner alten Mutter wollte er nicht los", sagt Edith Bollmann und lacht. Bollmann beschwichtigt: "Der Sitz ist ihr zu unbequem."
2.400 Kilometer in acht Tagen
Die Harleys sind gut gepolstert. Die sechs Deutschen reisen 2.400 Kilometer in acht Tagen und fahren einen Rundkurs ab Las Vegas. Es geht durchs Reservat der Navahos, zum Grand Canyon, dem Monument Valley, durch die Rocky Mountains und zwei Nationalparks. Zwischendurch ist Zeit für eine Bootstour.
Auf der historischen Route 66, über die amerikanische Siedler von Chicago in den Westen zogen, fahren sie nur ein kurzes Stück. Meist geht es über Landstraßen, aber auch über die Autobahn mit sechs und acht Spuren. "Der Highway ist kriminell", sagt Bollmann. "Die überholen links und rechts." Da hilft nur eins: Gelassen bleiben.
Günter Bollmann lehnt sich im Gartenstuhl zurück. Hat ihm die Reise als "Easy Rider" gefallen? Er breitet die Arme aus und sagt: "Ich bereue nichts!"¦ Weitere Fotos auf Lokalseite 4
Aha, also 99% aller Leser interessiert das nicht ?! Woher wissen Sie das ? Im Frühurin gelesen?! Naja, es gibt halt Leute die sonst nichts zu sagen haben und halt zu allem ihre Kommentare abgegeb müssen. Ich fands einen klasse Bericht der zur Nachahmung anregt !