Löhne (jn). Auf unseren Bericht "Stundenlang bewusstlos im Intercity" (NW von Donnerstag, 29. Juli) reagierte die Bahn AG gestern mit einer eigenen Darstellung. "Aus unserer Sicht sieht der Fall ganz anders aus, als Frau Rothenroth ihn schildert", so Bahnsprecher Udo Kampschulte (Düsseldorf). Er hatte zuvor eine Stellungnahme abgelehnt.
Jana Rothenroth hatte gesagt, sie habe im Bahnhof Oeynhausen einen Zugbegleiter des Intercity aus Leipzig nach ihrem Vater gefragt, als dieser nicht ausstieg. "Unser Mitarbeiter, der bis Mittwoch in Urlaub war, versichert uns, er sei überhaupt nicht angesprochen worden", so Kampschulte.
Der Intercity lief wegen einer leichten Verspätung an diesem Tag auf einem anderen Gleis als üblich ein. "Womöglich war Frau Rothenroth gar nicht am richtigen Zug", mutmaßte Kampschulte.
Jana Rothenroth wehrt sich gegen diese Unterstellung: "Der Zug lief statt auf Gleis 2 am gleichen Bahnsteig auf Gleis 3 an. Ich musste also nur ein paar Schritte auf die andere Seite gehen." Außerdem sei der Zug aus Leipzig der einzige Intercity gewesen, der zu dem Zeitpunkt einlief: "Sonst waren da nur Regionalzüge", so Rothenroth.
Die Bahn bestreitet außerdem, dass Rothenroths Vater die ganze Zeit bis Köln bewusstlos im Erster-Klasse-Abteil gesessen habe. "Er muss durch den Zug gegangen sein, denn er fiel im Bistro auf, weil er einen verwirrten Eindruck machte", so Kampschulte.
Die Zugbegleiter hätten den 77-Jährigen betreut, ihm Wasser zu trinken gegeben und zudem die Transportleitung der Bahn in Köln darüber verständigt, dass ein Passagier Hilfe benötige. Rothenroths Vater sei dann vermutlich von der Bahnhofsmission in Köln abgeholt und ins Krankenhaus gebracht worden.
Wann der Zustand ihres Vaters entdeckt wurde, lässt sich laut Udo Kampschulte nicht genau bestimmen: "Wahrscheinlich irgendwo zwischen Bad Oeynhausen und Köln."
Im Kölner Marienhospital wurden nach Angaben von Jana Rothenroth bei ihrem Vater ein Zuckerschock sowie eine Infektion festgestellt, die für die 40 Grad Fieber verantwortlich war. Der Zustand ihres Vaters sei mehrere Tage lang kritisch gewesen, doch mittlerweile sei er über den Berg.