Löhne. Christopher Tramms Abschlusszeugnis ist in drei Sprachen verfasst - Deutsch, Englisch und Spanisch. Dabei ist er nicht Fremdsprachenkorrespondent geworden, sondern Gerber. Und damit hat der 20-Jährige, der seinen Abschluss an der Hauptschule Löhne machte, einen der seltensten Berufe erlernt. Zurzeit gibt es in seiner Zunft in Deutschland nur acht Auszubildende. Und in Europa gerade mal drei Berufsschulen. In England, Österreich und im schwäbischen Reutlingen.
Kein Wunder also, dass die Zusammensetzung der Klassen international ist. "Wir waren in Reutlingen 20 aus Deutschland, sechs kamen aus Österreich, einer aus Argentinien, einer aus Pakistan, einer aus Indien und einer aus Namibia", erzählt Christopher Tramm, der inzwischen in Bad Oeynhausen wohnt. Seine Ausbildung hat er bei der Gerberei Sellmann in Vlotho absolviert.
Ab Oktober startet der 20-Jährige als Geselle ins Berufsleben. Dann wird er den Bayern die Lederhosen anziehen - zumindest aber dafür die Voraussetzungen schaffen. "Mein Berufschullehrer hat den Kontakt zu der Gerberei in Pöttmes bei Augsburg hergestellt", erzählt Tramm.
In Vlotho hat Tramm Leder für Hundeleinen gegerbt. Die Traditionsgerberei in Bayern, deren Anfänge ins Jahr 1700 zurückgehen, verarbeitet überwiegend Hirschleder für die Produktion von Lederhosen. Die Hirsche werden in Neuseeland gezüchtet. Ein spezielles Gerbverfahren mit Fischöl macht das Hirschleder besonders hautfreundlich. Wenn Christopher Tramm über verschiedenen Methoden der Lederbearbeitung spricht, ist ihm die Freunde an diesem Beruf anzusehen.
Dabei wollte der heute 20-Jährige eigentlich Koch werden - wie sein Vater. "In der neunten Klasse habe ich ein Praktikum in der Küche gemacht, aber gleich gemerkt: Das ist nichts für mich." Nach dem Abschluss an der Hauptschule Löhne besuchte Tramm seinen Opa in Mecklenburg-Vorpommern. "Mein Opa hatte eine Gerberei in Plau am See und da habe ich ihm geholfen", berichtet Christopher Tramm. Und es gefiel ihm so gut, dass er Gerber werden wollte - wie sein Opa.
Bei der Gerberei Sellmann in Vlotho absolvierte Tramm ein dreiwöchiges Betriebspraktikum und konnte schließlich dort seine Ausbildung beginnen. Zum Glück, denn de Auswahl an Gerbereien ist klein. "Die nächsten sind in Holzminden, Mülheim an der Ruhr und Heinsberg bei Aachen", weiß Tramm.
Für den Gerbprozess wird die Tierhaut zunächst gereinigt und enthaart. "Mit der Beize lässt sich die Weichheit des späteren Leders steuern", erläutert Tramm. Mit einer Salz-Wasser-Säure-Lösung werden anschließend die Poren der Tierhaut geöffnet, damit der Gerbstoff eindringen kann. Und der macht das Leder beständig gegen Hitze, Wasser und Fäulnis.
Verwendet für die Lederproduktion werde überwiegend Haut von Rindern, Schafen oder Ziegen. Dieses Leder wird für die Herstellung Schuhen, Taschen, Möbeln verwendet. Großer Abnehmer von Leder ist aber auch die Autoindustrie - für Autositze und auch Armaturenbretter.
Manches mutet aber auch eigenartig an. Wenn beispielsweise die Lenkräder von Edelkarossen mit Leder aus Straußenfüßen umwickelt werden.