Löhne. Auf dem Lehrplan des Gymnasiums stehen diese Fächer nicht: Anstreichen, Möbel tragen, Fenster putzen, Rasen mähen. Und doch haben 20 Schüler der Oberstufe genau das getan. Mit gutem Grund: Sie haben sich in einem der ehemaligen Hausmeisterbungalows ein eigenes Reich geschaffen. Was nach Luxus klingt, ist eine improvisierte Lösung.
Das Gymnasium erlebt derzeit das Jahr mit der größten Raumnot im Oberstufentrakt. Dort gibt es einen Doppeljahrgang. Jene Schüler, die in zwölf Jahren Abitur machen, treffen in der Einführungsstufe auf jene die nach altem Modell in 13 Jahren durch sind. Dieser Doppeljahrgang hat 221 Schüler. Normal sind sonst 120. Hinzu kommt, dass die 12. Jahrgangsstufe mit 150 Schülern "ohnehin schon die größte ist, die wir je hatten", so Schulleiter Jürgen Bollmann. So fehlt Platz für Aufenthaltsräume der Oberstufe. "Doch gerade die hat ja all die Freistunden und muss irgendwo lernen und arbeiten können", sagt Bollmann.
Die Idee, einen der leerstehenden Bungalows zu nutzen, kam von Lehrer Uwe Bastemeyer. Mit einem Hintergedanken: Die Oberstufe ist ganz allein für den Bungalow zuständig. "Das ist doch ein tolles Experiment: Schüler sind verantwortlich für ein ganzes Gebäude. Besser kann man das doch gar nicht lernen", sagt Bastemeyer.
40 Jahre alte Gebäude
Die beiden Bungalows entstanden kurz nach Gründung des Gymnasiums um das Jahr 1970. Dort wohnten lange die beiden Hausmeister der Schule. Doch die sind schon vor vielen Jahren ausgezogen. Schul-Hausmeister werden heute zentral von der Stadtverwaltung koordiniert. Danach waren die rund 100 Quadratmeter großen Bungalows vermietet, zuletzt nur noch einer davon.
Die Schüler waren sofort begeistert. Die Lehrer nicht alle. "Es gab durchaus Widerstand im Kollegium", räumt Bastemeyer ein. So hätten sich manche Pädagogen den Bungalow gut als eigenen Arbeitsbereich vorstellen können. Doch den Zuschlag erhielten die Schüler. "Wir freuen uns riesig", sagt Schülersprecher Philipp Breeder. Nutzen werden den Bungalow die Stufen 12 und 13. Und sie allein haben die Schlüsselgewalt. "Jede Stufe hat zwei Schlüssel", sagt die Stufensprecherin der 12, Farina Lange. Geöffnet ist der Bungalow von 7.30 Uhr bis in den Nachmittag hinein.
Drei Arbeitsräume und einen Wohlfühlraum haben sich die Schüler vor und in den Ferien geschaffen. "Wir hätten nicht gedacht, dass das so viel Arbeit ist", so Lange. Die Einrichtung wie Sofa und Regale spendeten Schüler und Lehrer. Das Geld für die Farbe stammt aus dem Schuletat. "Uns fehlen jetzt noch Gartenmöbel", erklärt Farina Lange. Die Bücher für die Regale steuern die Schüler selbst bei.
Im Moment diskutiert die Oberstufe noch, welche Regeln auf Basis der Hausordnung gelten sollen. "Rauch- und Alkoholverbot sind klar", so Stufensprecher Bastian Bekemeier, doch wolle man auch Zimmerlautstärke vorschreiben: "Sonst kann keiner lernen." Partys sollen nicht erlaubt sein, maximal Kurstreffen mit Lehrer.
Bei aller Freude über den Bungalow in Freistunden bleibt noch das Raumproblem der Oberstufe im Unterricht. "Da werden einige 9. Klassen ihre Klassenräume abwechselnd mit Oberstufenkursen teilen", sagt Schulleiter Bollmann. Parallel dazu würden einige Stunden der Oberstufe in den Nachmittag geschoben.