Löhne/Darmstadt. Gestern hat vor dem Landgericht Darmstadt ein Prozess gegen eine mutmaßliche Pädophilenbande begonnen. Zu den neun Angeklagten gehört auch ein 49 Jahre alter Löhner.
Die ungeheure Datenmenge an verbrecherischen Darstellungen, die über das Internet verbreitet wurden, und die Arbeitsweise der Bande, wie sie in der Anklageschrift beschrieben wird, sind in der deutschen Rechtsprechung bislang ohne Vorbild.
Die ungeheure Datenmenge an verbrecherischen Darstellungen, die über das Internet verbreitet wurden, und die Arbeitsweise der Bande, wie sie in der Anklageschrift beschrieben wird, sind in der deutschen Rechtsprechung bislang ohne Vorbild.
Klar ist: Es geht um Kinderpornografie - um Abertausend Bilder und Videos des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen, die über das Datennetz ausgetauscht wurden. Zwei der neun Beschuldigten sollen sich zudem persönlich an Kindern im Grundschulalter vergangen haben.
"Zauberwald", "Sonneninsel" oder "Lighthouse": Hinter wohlklingenden Namen verbargen sich laut Anklage Internet-Plattformen für Pädophile, auf denen sich Eingeweihte unter Decknamen wie "Lumpi" oder "Waldmeister" über ihre Neigung austauschen und Bezugsquellen für Kinderpornos weiterreichen konnten.
Neun mutmaßliche Administratoren müssen sich in Darmstadt verantworten. Einer von ihnen stammt aus Löhne. Zwei weitere Decknamen sind noch nicht aufgeklärt. Die Verfahren gegen die reinen Nutzer - etwa 140 sind bislang namentlich bekannt - wurden abgetrennt.
In Darmstadt wird verhandelt, weil der Hauptangeklagte aus Wald-Michelbach im Odenwald stammt. Der 57 Jahre alte Speditionskaufmann soll seit den neunziger Jahren seine Nichte und zwei weitere Kinder im Grundschulalter persönlich sexuell missbraucht haben. Die letzten Misshandlungen, verübt an einem siebenjährigen Jungen, ereigneten sich kurz vor seiner Verhaftung vor knapp einem Jahr. Die inzwischen volljährige Nichte tritt im Prozess als Nebenklägerin auf.
Auch ein weiterer Angeklagten, ein Dreiunddreißigjähriger aus Lage (Kreis Lippe), soll sich persönlich an einem sechsjährigen Mädchen vergangen haben. Die Anklage listet zehn Einzelfälle von Juli 2008 bis September 2009 auf.
Mehr als 100 000 kinderpornografische Fotos und Videos fanden die Ermittler auf Rechnern und Datenträgern bei den neun Beschuldigten. Verhängnisvoller im Sinne der Anklage könnten sich die von ihnen verbreiteten Internet-Links auswirken, die Hunderten Nutzern weltweit Zugriff auf unüberschaubare Mengen perverser Darstellungen gewährten.











