Bad Oeynhausen. Aufgeregt sitzen Melissa, Mutter Jessica und Prof. Dr. Deniz Kececioglu auf der Kinderstation im Herzund Diabeteszentrum (HDZ). Über einen Bildschirm verfolgen sie die Spendengala mit Thomas Gottschalk. Dann moderiert der Entertainer das Schicksal der kleinen Melissa an. 480 Tage lang war die Dreijährige an ein Kunstherz gebunden, jetzt hat sie, wie die NW berichtete, ein neues Herz bekommen. Via Liveschaltung sind die drei plötzlich mitten im Gespräch mit Gottschalk und auf den Bildschirmen von Millionen Zuschauern.
Etwa vier Minuten waren Melissa, ihre Mutter und ihr Arzt, am Samstagabend im ZDF zu sehen – nachdem fünf Techniker der Firma TV Niedersachsen nahezu den ganzen Tag über die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen hatte. Das Team, das vom ZDF mit der Schaltung beauftragt war, musste für die Kamera-, Licht- und Tontechnik sorgen.
"Die Schaltung war etwas komplizierter, weil im Herzzentrum keine Funktechnik verwendet werden darf", erklärt Produktionsleiter Florian Legatis. 120 Meter Kabel mussten deshalb von Melissas Zimmer bis hin zum Übertragungswagen gelegt werden, von dort aus wurde das Bild über Satellit zur Spendengala nach Berlin geschickt.
Sonst sind die Mitarbeiter bei "Rock am Ring" aktiv
Schwieriger war es mit dem Ton. "Die Übertragung per Satellit hat immer eine Verzögerung von zwei bis vier Sekunden", erklärt Legatis. Um die zu vermeiden, wurde extra eine verschlüsselte ISDN-Leitung reserviert. "Über Telefon geht es einfach schneller", sagt Tontechniker Jörn Lüders, "durch eine digitale Kodierung hat das Telefonat auch Hi-Fi Qualität, sodass der Zuschauer gar nicht merkt, dass Bild und Ton unterschiedlich gesendet werden".
"Verhältnismäßig gering", schätzt das TVN-Team den Aufwand für die Live-Schaltung aus dem Herzzentrum ein – sonst sind die Mitarbeiter bei Massenveranstaltungen, beispielsweise bei Parteitagen, Konzerten wie wie "Rock am Ring" oder Bundesliga-Fußballspielen aktiv.
Erleichtert wird der Einsatz durch die gute Zusammenarbeit mit den Gastgebern im HDZ. Florian Legatis: "Wir werden hier sehr professionell betreut, man merkt auf jeden Fall, dass hier häufiger Fernsehteams zu Gast sind."
Zur besten Sendezeit darf nichts schiefgehen
Haustechniker Peter Bänsch ist einer der wichtigsten Ansprechpartner. "Vor zwei Wochen hatten wir eine Besprechung, um alle Vorbereitungen zu treffen", erinnert er sich. Seitdem kennt er seine Aufgaben: Die Parkplätze absperren und Strom für den Übertragungswagen legen.
Natürlich verzichten die Profis nicht auf eine Generalprobe: Bei einem Probedurchlauf am Nachmittag wird die komplette Technik überprüft. "Wir müssen absolut sicher sein, dass alles klappt", sagt Legatis, "Samstagabend zu besten Sendezeit im ZDF, da darf nichts schiefgehen." Tut es auch nicht. Und dass Thomas Gottschalk von "Bad Oinhausen" spricht, ist schließlich kein technisches Problem.