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28.12.2010
LÖHNE
Eingeschneit und vergessen
Warum Hermann Brünger Heiligabend alleine verbringen musste
VON DIRK WINDMÖLLER

Hilft | FOTO: DIRK WINDMÖLLER

Löhne. Für Hermann Brünger aus Löhne im Kreis Herford war das Weihnachtsfest eines der traurigsten seines Lebens. "Ich musste zum ersten Mal in meinem Leben Weihnachten alleine feiern." Ganz und gar unfreiwillig hat der 80-Jährige das Fest ohne andere Menschen verbracht. Der Grund: Die Wirtschaftsbetriebe haben 100 Meter vor seinem Haus eine Schneemauer zusammen geschoben. Für den alten Herren ist sie unüberwindbar.

Der kinderlose Witwer Hermann Brünger wohnt alleine in seinen Haus in der Straße "Am Brink" in Gohfeld. Steil ist sie bis zum Haus seines nächsten Nachbarn Hans-Dieter Kasten. Zwischen Kastens Haus und dem Haus von Brünger liegen noch etwa 100 Meter, die gerade und ohne Steigung verlaufen.

Direkt hinter dem Haus von Kasten haben die Wirtschaftsbetriebe nicht nur ihre Räumarbeit eingestellt. Der Schneeschieber hat am 24. Dezember den Schnee einfach hinter Kastens Zufahrt zu einer rund 1 Meter hohen Mauer zusammengeschoben.

Für Hermann Brünger, der mit seinen 80 Jahren nicht mehr ganz fit ist, ein unüberwindbares Hindernis. Zu Fuß kommt er nicht über die Mauer und eine Schneise für sein Auto zu schüppen ist ihm unmöglich.

Nachbar Hans-Dieter Kasten hat an einer Stelle die Mauer so schmal gemacht, dass wenigstens zu Fuß der Zeitungsbote und der Menüdienst über die Mauer kommen. Mehr kann der Rentner nicht tun, weil er schwer herzkrank ist. "Wie kann man so etwas machen. Das ist doch deutlich zu sehen, dass die Straße hier noch weiter geht", regt sich Kasten auf. Auch im letzten Winter habe es viel Schnee gegeben. "Da gab es keine Probleme. Der Schnee wurde von hier oben abtransportiert", sagt Kasten.

Für Hermann Brünger waren die letzten Tage hart. Eigentlich wollte er mit seiner Lebensgefährtin in Obernbeck Weihnachten feiert. Doch aus dem leckeren Festmahl wurde nichts. "Wir konnten nur telefonieren", sagt er traurig. Brünger hofft auf Hilfe durch die Wirtschaftsbetriebe. "Erst habe ich niemanden erreicht. Dann wurde mir gesagt, ich müsste Geduld haben."

Hans-Dieter Kasten drückt für seinen Nachbarn die Daumen, dass es schnell geht. "Ich glaube, der, der hier geschoben hat, der kannte sich nicht aus."

Thomas Arning ist bei den Wirtschaftsbetriebe verantwortlich für den Räumdienst. Auch er geht davon aus, dass der Mann auf dem Schneeschieber keine 100-prozentige Ortskenntnis hatte. "Wir mussten die Besatzungen tauschen, weil unsere Leute durch den Dauereinsatz an die Grenze der Belastbarkeit geraten waren."
Arning versichert, dass spätestens heute morgen ein Radlader rausfährt und die Mauer einreißen wird. Dann hat Hermann Brünger eine Chance, mit seiner Lebensgefährtin Silvester zu feiern.


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Kommentare
...das mit dem Schneeräumen ist auch ein wenig preisabhängig (wird aber keiner zugeben wollen)...
- Bei mir bekommt der Winterdienst immer ne Stulle mit heißem Kaffee und nen kleinen Muntermacher für Zwischendurch und was soll ich sagen, meine Einfahrt ist immer wie geleckt, da traut sich keine Schneeflocke mehr hin ...:-)

Zwei Sachen fallen mir auf : Der "Junge Mann" ist wegen eines Herzleidens nicht in der Lage, seine Einfahrt vom Schnee zu nefreien, möchte aber TROTZ seines Herzleidens aktiv mit seinem KFZ am Strassenverkehr teilnehmen... Nun ja. Zudem ist er sehr wohl in der Lage, der Bil, äh, NW sein LEid zu klagen, auf der anderen Seite kennt er die Rufnummer 112 nicht ? Sehr merkwürdig...

Aufgemerkt: Bei Ch. Sackewitz ist am 28.12. noch Weihnachten! Was sagt uns das? Ganz klar: Der Mann wohnt auf einem anderen Planeten!

@diego: Es gibt bereits deutlich jüngere als 80-jährige, die gesundheitliche Probleme haben, allein leben oder allein leben müssen und so einen Schneeberg nicht beseitigen könnten; sollen die alle etwa betreutes Wohnen in Anspruch nehmen? Ich denke, bei dieser Aussage kann man nur Wahrnehmungsstörungen unterstellen. Jeder der seine Arbeit ordentlich verrichtet, schaltet sein Gehirn ein und übernimmt Verantwortung, das kann man auch von einem Fahrzeugführer eines Räumfahrzeugs verlangen.

Traurig, traurig...



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