Löhne. Eigentlich benötigt Jens Mittmann gar keinen Kalender. Wenn es an seinem Arbeitsplatz stark nach Gummi riecht, ist es Herbst. Oder aber es ist Frühling - je nach Kundenaufkommen. "Zum Jahresende, wenn die ersten Schneeflocken vom Himmel fallen, kommen sie alle auf einen Schlag, im Frühjahr ist es eher breiter verteilt", sagt Mittmann, reißt den salzverklebten Winterreifen von der Achse und hievt ihn ganz oben auf den großen Stapel.
"Mittlerweile haben etwa 80 Prozent der Autofahrer auf Sommerreifen umgestellt", schätzt der Werkstattleiter der Löhner A.T.U-Filiale an der Mühlenstraße. Von der weit verbreiteten Regel "Winterreifen von O(ktober) bis O(stern)" hält er wenig. "In diesem Jahr war Ostern Ende April, in anderen Jahren ist es Ende März, von daher ist das doch recht schwammig", sagt Mittmann.
Wann also der Wechsel erfolgen soll, ist eigene Ermessenssache. Sicher ist nur, dass er irgendwann erfolgen sollte. "Unsere Kunden wechseln immer die Reifen, mir ist niemand bekannt, der bewusst mit Winterreifen durch den Sommer fährt", sagt Marcel Peitzmeyer vom gleichnamigen Autohaus in Bad Oeynhausen.
Rein versicherungstechnisch wirkt sich ein unterlassener Reifenwechsel im Sommer nicht aus. Anders als bei der Winterreifenpflicht gibt es keine gesetzliche Vorschrift, die besagt, dass in den Sommermonaten auch Sommerreifen auf der Achse sein müssen.
"Es gibt jedoch andere Gründe, die deutlich für einen Reifenwechsel sprechen", sagt Ralf Collatz, Pressesprecher des ADAC Ostwestfalen-Lippe. So sei etwa der Verschleiß bei Winterreifen deutlich höher als bei Sommerreifen. "Zudem verlängert sich der Bremsweg auf sehr heißen und trockenen Fahrbahnen", sagt Collatz. Bei einer Geschwindigkeit von 100 Kilometer pro Stunde kommt das Fahrzeug bei einer Vollbremsung erst 16 Meter später zum Stehen.
"Wir sprechen hier aber nicht von diesem handwarmen Asphalt, den wir in den vergangenen Tagen schon hatten, sondern von der Straße an knallheißen Sommertagen", sagt Collatz.
Ein Wechsel ist also unter Sicherheitsaspekten unumgänglich, aber wie soll dieser erfolgen? "Die gängige Meinung, dass die Vorderachse die besser bereift sein sollte, konnten unsere Tester bestätigen. Zumindest in Sachen Bremsen und Aquaplaning", sagt Collatz. Anders sehe das beim Prüfkriterium "Spurwechsel" aus.
Mit schlechteren Reifen auf der Hinterachse kommt das Fahrzeug schneller ins Schleudern. Unterm Strich empfiehlt der ADAC daher, die besseren Reifen entgegen der weitläufigen Meinung auf die Hinterachse zu packen. Um eine unterschiedliche Abnutzung zu verhindern, sollten alle 10.000 bis 15.000 Kilometer die Reifen seitengleich, also nicht diagonal, achsweise gewechselt werden.
Streitpunkt ist bei vielen Reifenwechsel auch die Frage nach dem Auswuchten. Viele Reifenhändler empfehlen beim Radwechsel, das Auchwuchten der Räder. "Dies entspricht nicht der offiziellen Meinung des ADAC", sagt Collatz. "Nur wenn ein Reifen deutlich ausschlägt, was man beim Fahren sofort bemerkt, sollten sie unbedingt ausgewuchtet werden", sagt Collatz.
Einige Termine beim Reifenhändler lassen sich einsparen, wenn man auf Ganzjahresreifen unterwegs ist. "Ich schätze, dass weniger als zehn Prozent unserer Kunden sich für Ganzjahresreifen entscheiden", sagt Werkstattleiter Mittmann. Die Reifen seien für viele Löhner ein akzeptabler Kompromiss für alle Jahreszeiten, mehr aber auch nicht. Wer sich in s einem Auto möglichst sicher fühlen möchte, sollte unbedingt halbjährlich auf den zur Jahreszeit passenden Reifen unterwegs sein.