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28.07.2011
LÖHNE
Hobby-Fußballer soll Behandlung für verletzten Gegenspieler zahlen
Das 20.000-Euro-Foul
VON CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER

Im Tor | FOTO: CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER

Löhne. Es ist eine ganz normale Spielszene: Stürmer Emrah Akata läuft auf das Tor von Dominique Brauer zu. Der will dazwischengehen, doch statt des Balls trifft er das rechte Bein des Gegenspielers. Akata fällt schreiend zu Boden. Schien- und Wadenbein sind gebrochen. Die rote Karte bekommt der Torwart sofort, die Rechnung der AOK 16 Monate später. 19.765 Euro für die Krankenhauskosten von Emrah Akata soll er bezahlen.

"Ich war geschockt, als ich den Brief gelesen habe", sagt Torwart Dominique Brauer, der sich noch sehr gut an das Spiel seines TuRA Löhne gegen den Türkischen Sportverein Löhne (TSV) in der Kreisliga A im März 2010 erinnert. "Ich habe nur auf den Ball geguckt und dabei Emrah unglücklich getroffen. Ich wollte ihn nicht verletzen", versichert der 25-Jährige.

Apropos versichert: Brauer wähnte sich geschützt durch die Sportversicherung des Vereins. Doch er lag falsch, wie Thomas Schmidt von der ARAG-Sport erklärt: "Eine Sportversicherung deckt keine Personenschäden für Mitversicherte ab." Als Mitversicherte gelten alle Spieler aus Vereinen innerhalb eines Landesverband. Allemal aus zwei Vereinen derselben Stadt.

"Der Übergang ist hauchdünn"

Also kann sich die AOK bei der Sportversicherung von TuRa kein Geld holen. Deshalb tritt sie nun an den Verursacher der Kosten heran, der das Foul begangen hat. Dazu Jörg Lewe, Marketingchef der AOK Nordwest: "Jede Krankenkasse würde so handeln. Das ist ein banaler Vorgang." Bei einem Unfall sei die AOK dazu verpflichtet zu klären, wer die Schuld trägt.

Üblicherweise greift die private Haftpflicht des Spielers. Doch hier liegt der Haken: Brauer hat keine private Haftpflichtversicherung und müsste die rund 20.000 Euro selbst zahlen. "Die gängige Rechtsprechung urteilt allerdings meist anders", erklärt Thomas Schmidt von der ARAG. Entscheidend sei, ob das Foul im Eifer des Gefechts begangen wurde und als Teil des Spielgeschehens zu werten ist. Falls ja, dürfte der TuRa-Torwart gute Chancen haben, die Zahlung zu verweigern. Falls nicht, könnte es eng für ihn werden. Die Frage, ob es sich bei dem Zweikampf um normale sportliche Härte oder eher um eine vorsätzliche Verletzung gehandelt hat, will die AOK mithilfe eines Gutachters juristisch klären. "Der Übergang ist hauchdünn, daher müssen wir so handeln", erklärt Lewe.

Er verweist darauf, dass eine private Haftpflichtversicherung "allen Beteiligten Ärger erspart hätte". Der AOK-Sprecher kritisiert, dass die Krankenkasse bislang keine ausreichende Stellungnahme des Vereins bekommen habe, "obwohl wir die im Februar angefordert haben". Brauer hat nun seine Schilderung der Dinge auf den Weg gebracht.

"Es war keine Körperverletzung, sondern ein Zweikampf"

Bei TuRa ist man fassungslos über die Forderung: So einen Vorfall habe es in der Vereinsgeschichte noch nie gegeben, sagt Wolfgang Berg, Dritter Vorsitzender und Mitglied der Fußball-Spruchkammer. "Es war keine Körperverletzung, sondern ein Zweikampf. Wenn man dafür bezahlen muss, würde es täglich Prozesse geben."

Auch Ilhan Erkol vom TSV sagt: "Das war ein schweres Foul, aber absichtlich verletzt hat er Emrah nicht." Der damalige TuRa-Trainer Eckhard Schnier sieht es ebenso: "Dominique war tief betroffen wegen der schweren Verletzung." Für Brauer war es in 20 Jahren Fußball die erste rote Karte. "Ich habe Emrah im Krankenhaus besucht und mich entschuldigt. Ich bin ein fairer Sportsmann."

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
@Werner
Man muss aber mal sehen, dass die Deutschen sich allgemein deutlich zu wenig bewegen. Klar gibt es im Kreisligafussball immer wieder Verletzungen, doch wo würden wir hinkommen, wenn diese Leute, welche diesen Sport ausüben, vermutlich gar keine Bewegung in Form von sportlicher Betätigung mehr ausüben würden. Fussball ist nunmal Volkssport Nummer Eins. Klar kann man das als weit hergeholt bezeichnen, aber wie gesagt, die Krankenkassen beschweren sich über die Trägheit der Deutschen und dann sowas...

Hier wird immer davon geschrieben, dass die Allgemeinheit nicht dafür aufkommen sollte. Fragt euch mal für wieviel Drogen- und Alkoholabhängige die Allgemeinheit ( täglich)aufkommen muss.
Da kann ich mich als Teil der Allgemeinheit eher mit einem Sportunfall abfinden.

Walkenhorst: Sport treiben ja, aber doch keinen gefährlichen Sport. Fußball im Kreisklassenformat muß m. E. zwingend als "gefährlich" eingestuft werden und hat mit Sport als Gesundheitsmaßnahme nichts zu tun.

Das Verhalten der AOK ist richtig, schließlich können Sportunfälle nicht zu Lasten der Allgemeinheit gehen.
Es ist doch Sache des Vereins, für ene umfassende Deckung zu sorgen bzw. Sache des Spielers für sein Freizeitvergnügen zu haften.

QED: First of all no sports!



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