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06.09.2011
LÖHNE
A 30: Autobahn-Brückenteile passen nicht
Fehler beim Bau der Nordumgehung in Löhne
VON JÜRGEN NIERSTE

Hier kommt nicht zusammen, was zusammengehört | FOTO: JÜRGEN NIERSTE

Löhne. Wer es weiß, erkennt es schon mit bloßem Auge: Die mächtigen Träger der nördlichen und südlichen Abschnitte der neuen, gut 29 Millionen Euro teuren Autobahnbrücke der Nordumgehung in Löhne passen nicht richtig zusammen. Sie befinden sich nicht auf einer Höhe und, schlimmer: Sie weisen seitlich eine Abweichung von etwa 20 Zentimetern auf.

"Eine Katastrophe", sagt einer der Bauarbeiter. Die Projektleiter Tobias Fischer (Landesbetrieb Straßen NRW) und Erling Thommesen (MCE Stahlbau) wiegeln dagegen ab: "Das ist zwar ärgerlich, aber nicht spektakulär", sagt Thommesen.

Laut Tobias Fischer bewegt sich die Höhenabweichung "noch in den normalen Grenzen" des hier verwendeten, vergleichsweise flexiblen Stahls.: "Solche Abweichungen bezeichnen wir als planmäßig. Sie sind beim Lückenschluss problemlos auszugleichen."

Völlig außerplanmäßig sei hingegen die seitliche Abweichung der beiden Trägerkonstruktionen. "Die Querverschiebung beträgt etwa 20 Zentimeter und ist das eigentliche Problem", so Fischer.

Zwischen den nördlichen und südlichen Trägern fehlt mitten über der Werre nur noch ein Zwischenraum von etwa zwei Metern. Dieser muss noch mit sogenannten "Lückenschluss-Elementen" geschlossen werden. Bei der bestehenden seitlichen Abweichung ist das nun jedoch mit ganz erheblichem Aufwand verbunden. Die Brückenteile müssen mit starken hydraulischen Pressen verschoben werden, bis die Träger wieder exakt aufeinander zu laufen.

Ein solches Verschieben ist nach Darstellung von Erling Thommesen eine durchaus gängige Technik. Der MCE-Projektleiter räumt aber ein: "Bei einem Bauwerk von dieser Größe und Gewicht ist das alles in der Ausführung natürlich erheblich komplexer."

Korrektur in Planung

Nicht auf Linie | FOTO: JÜRGEN NIERSTE

Die Träger sind teilweise schon angeschweißt, und zudem sind einige Segmente auch schon mit Beton zugegossen. Entsprechend hoch ist das Gewicht, das nun seitlich verschoben werden muss.

Schon seit rund einer Woche wird die Planung für die Korrektur ausgearbeitet. Thommesen hofft, dass das Verschieben noch in dieser Woche durchgeführt wird. "Für uns bedeutet dies natürlich Aufwand und Verzögerung", so Thommesen. Was die Korrektur des Fehlers kosten wird, darüber machte er im Gespräch mit der Neuen Westfälischen keine Angaben. "Der Endtermin für die Fertigstellung der Brücke im Sommer 2012 ist durch diese Aktion aber nicht gefährdet", versichert er.

"Wird wieder ausgerichtet"

Aus welchem Grund die Abweichung überhaupt zustande gekommen ist, darauf ging Thommesen gestern nicht weiter ein. Immerhin sind Bauingenieure anderswo längst in der Lage, nicht nur Brücken, sondern auch Tunnel von zwei Seiten zentimetergenau aufeinander zuzubauen.

Messfehler liegen nach Thommesens Angaben in Löhne wohl nicht vor. "Das ist normaler Bauablass", sagte er. Solche Fehler sollen nicht passieren – aber sie passieren nach seinen Worten gelegentlich trotzdem: "Das wird wieder ausgerichtet, rein technisch ist das kein Problem."

Über Kosten und mögliche Verzögerungen bei dem Bauprojekt macht sich Tobias Fischer vom Landesamt Straßen NRW keine Sorgen, wie er sagt: "Das ist Sache der Baufirma. Wir gehen davon aus, dass der vereinbarte Endtermin eingehalten wird."

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Oh, getroffene Hunde bellen...
Können Sie sich eigentlich vorstellen, dass jeder Arbeitnehmer heute unter einem enormen Druck steht? Was ist das also für ein Argument? Haben Sie gelesen, dass ich mitnichten den einzelnen Planer angegriffen habe, sondern vielmehr auf eine generelle Tatsache hingewiesen habe, dass es gerade bei öffentlichen Aufträgen immer mal wieder gerne zu derlei Pannen kommt? Es soll den Fall gegeben haben, dass unter der Elbe eine neue Röhre gebaut wurde und sich die beiden Seiten doch tatsächlich wie errechnet in der Mitte getroffen haben. Eine Sensation? Da ist es natürlich schon vermessen davon auszugehen, dass eine Brücke, die wohl kaum über Nacht geplant wird, auch so paßt, wie sie passen soll.

Und um Ihre Fragen zu beantworten: Auch ich habe schon Verantwortung in meinem Beruf getragen. Und Fehler mache ich freilich auch. Darum geht es nicht. Machen Sie doch mal einen Fehler bei einer Antragsstellung bei einer Behörde. Dann werden Sie feststellen, dass es solche und solche Fehler gibt.

@Martin
Können Sie sich eigentlich vorstellen unter welchem wirtschaftlichen (und dem u.a. daraus reultierenden zeitlichen) Druck heutzutage Ingenieurbüros arbeiten müssen?!? Wahrscheinlich können Sie das nicht, da Sie entweder in einem Beruf arbeiten, wo Sie null Verantwortung übernehmen müssen bzw. diese abwälzen. Oder aber SIe schaffen es immer die eigene Schuld auf andere zu schieben.
Letzte Möglich: Sie können alles perfekt, um ihr Geld zu "verdienen", (...)

@martin
oh, die "selber"-Argumentation...Respekt.

Ich bezeichene mich selber als Fachmann, da auch ich aufgrund meiner akademischen Abschlüsse ein horrendes Geld verdiene (zu Recht :-), aber auch ich bin nicht frei von Fehlern in meinem Job - so ist das in unserer Welt.

Aber ich bin froh, dass es fehlerfreie Menschen wie Sie gibt - das gibt mir Hoffnung für unser Land.

Was machen Sie eigentlich beruflich?

So lange so ein Fehler kosten und zeit neutral behoben werden kann ist es wie in jedem anderen Gewerbe auch ok. Ansonsten währe hier eine neue und auch ganz andere Diskussion notwendig !!

Ich beginne mal mit ner Frage:
Wenn sich jemand eine Küche bestellt und bei Lieferung/Aufbau feststellt, dass irgendetwas an der Küche nicht der Bestellung entspricht: wer zahlt dann für die Nachbesserung?!? Bestimmt nicht der Besteller, oder?

Genau so ist es hier: Die Mehrkosten für die Korrekturen gehen nicht zu Lasten des Steuerzahlers, sondern des Verursachers!!! Dies können sein:
- der Planer
- das Bauunternehmen, welches die Fundamente für die Stützen hergestellt hat
- der Hersteller der Segmente
- das Bauunternehmen, welches die Stahlteile montiert

Diese sog. Mängelhaftung ist grundsätzlich in der sog. VOB/B geregelt. Und diese ist im Gegensatz zu privaten Bauaufträgen für öffentliche Bauaufträge zwingend bindend!!!

Ich gebe Günther Kramer auch recht, dass die Nordumgehung eine ewige Baustelle bleiben wird, da dies einfach dies nun einfach in der Natur einer Straße liegt, da häufig, durch verschiedene Verursacher, etwas kaputt geht. Auch hier verweise ich wieder auf die Juristen.
Wer nun letztendlich haften muss, werden allerdings Gerichte klären müssen.



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