Löhne. Nach der Arbeit noch eben die Zutaten fürs Abendessen kaufen oder eine Runde in der Mode-Boutique drehen. Das ist seit fünf Jahren durch die Erweiterung des Ladenöffnungsgesetzes quasi rund um die Uhr möglich. Jetzt diskutiert die Landesregierung über eine mögliche Verkürzung der Öffnungszeiten. Die Löhner Einzelhändler sind bei dem Thema unterschiedlicher Meinung.
"Unsere Öffnungszeiten sind durch einen Prozess entstanden", sagt Herbert Placke, Leiter des Marktkaufs. Montags bis samstags können Plackes Kunden von 8 bis 22 Uhr einkaufen. "Gerade nach der Neuregelung haben die Leute das Angebot, am späteren Abend einzukaufen, gut angenommen."
"Das wäre Bevormundung"
Zur Diskussion über die Ladenöffnungszeiten im Landtag nimmt der CDU-Stadtverband in einer Pressemitteilung Stellung. "Die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten war und ist richtig", sagt Stadtverbandsvorsitzender Florian Dowe. Das Gesetz trage den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden wie auch der Händler Rechnung und werde von beiden Seiten gut angenommen, heißt es weiter. Eine Rücknahme dieser Regelung würde eine Bevormundung bedeuten. Das Gesetz bilde einen Ausgleich zwischen dem Wunsch von Verbrauchern und Händlern nach flexiblen Öffnungszeiten und dem christlichen Anliegen, dass Sonn- und Feiertage geschützte Tage bleiben, so Dowe.
Und auch heute noch sei vor allem am Donnerstag-, Freitag- und Samstagabend viel im Markt los. Gerade im Sommer, wenn gegrillt wird. Andere Produkte landeten am späten Abend nicht zwangsweise in den Einkaufswagen
Hans-Karl Otto, Besitzer von Edeka-Märkten in Mennighüffen und Bad Oeynhausen, hat etwas andere Erfahrungen gemacht. "Wenn ein Supermarkt bis 22 Uhr aufhat, lohnt sich die letzte Stunde aus betriebswirtschaftlicher Sicht erst ab einer bestimmten Marktgröße." Zwar kauften abends vor allem jüngere Kunden ein – und dann typische Produkte für den Singlehaushalt wie Fertiggerichte – die Öffnungszeiten seines Marktes bis 21 Uhr würden aber ausreichen.
Dafür öffnen sich die Türen aber auch bereits um 7 Uhr in der Früh. "Da kaufen viele Eltern von Schul- oder Kindergartenkindern ein", weiß Otto. "Außerdem sind unsere Mitarbeiter eh ab 5.45 Uhr da und räumen die frische Ware ein. Wir haben also keine zusätzlichen Ausgaben." Generell würde er es nicht unterstützen, sollte die Politik regulierend eingreifen. "Wir sind Serviceleister und müssen uns nach den Öffnungszeiten richten, die der Kunde will."
Was für die Lebensmittelhändler gilt, macht für die übrigen Einzelhändler dagegen kaum Sinn, sagt Margit Bierbüsse-Reuter vom Sanitätsladen Bierbüsse. Sie ist die stellvertretende Vorsitzende der Werbegemeinschaft in der Innenstadt. "Der Umsatz erhöht sich nicht dadurch, dass wir länger aufhaben." Sie wäre "nicht unglücklich" damit, würden die Öffnungszeiten tatsächlich begrenzt. "Ich persönlich bin noch nie später als 20 Uhr einkaufen gegangen", so die Selbstständige.
Olaf Ventker, Hausleiter der Löhner Bruno-Kleine-Filiale, sieht das ähnlich. "Der Markt reguliert sich selbst, es wäre falsch, wenn die Politik hier eingreifen würde", sagt er. Er gibt aber auch zu bedenken, dass sich das Einkaufsverhalten der Kunden nicht für ganz NRW unter einen Hut bringen lasse. "In Löhne gibt es eine andere Zielgruppe als etwa in Oberhausen." Das Modehaus hat unter der Woche bis 18.30 Uhr auf, an Samstagen bis 16 Uhr. Längere Öffnungszeiten würden sich nicht lohnen: "Wir haben über einen längeren Zeitraum samstags bis 18 Uhr auf gehabt, aber unsere Kunden sind zufrieden mit den jetzigen Öffnungszeiten."
Kirchen und Gewerkschaften haben außerdem eine Diskussion über verkaufsoffene Sonntage losgetreten. "Der Sonntag sollte als besonderer Feiertag erhalten bleiben und gerade Mitarbeitern mit Familie Zeit zum Erholen bieten", sagt Ventker.
Gleichsam bewährten sich die verkaufsoffenen Sonntage aber auch für sein Modehaus. "Die vier offenen Sonntage im Jahr reichen aber völlig aus. Durch häufigere Sonntagsshoppings haben die Leute auch nicht mehr Geld in der Tasche."
Margit Bierbüsse-Reuter fände es gut, wenn die Kaufleute die Möglichkeit hätten, die vier verkaufsoffenen Sonntage individuell zu ergänzen. "Zum Beispiel an Stadtfesten." Für Marktkaufleiter Herbert Placke lohnt sich das Sonntagsgeschäft dagegen nicht. Er öffnet nur an einem Sonntag im Jahr während des Oktoberfestes. "Aus Imagegründen", wie er sagt.