Herford/Löhne. Manche klauen Fernseher, andere Autos, wieder andere teuren Schmuck, um eine schnelle Mark zu machen. Ein (angeblich) 20-Jähriger saß gestern auf der Anklagebank des Jugendschöffengerichts in Herford wegen eines viel exquisiteren Diebesgutes.
Im vorangegangenen Jahr soll der aus Aserbaidschan stammende Bünder in fünf verschiedenen Supermärkten in Herford, Löhne und Umgebung insgesamt 36 Flaschen edle Tropfen gestohlen haben: 18 Jahre alten Whiskey, feine Cognac-Sorten, guten Rum.
"Diese Flaschen wurden verkauft, um sich den Lebensunterhalt aufzubessern, daran besteht bei dieser Wahl des Diebesgutes kein Zweifel", sagte die Staatsanwältin.
Insgesamt hatten die Spirituosen einen Wert von mehr als 1.340 Euro, weshalb die Anklage auch von "erwerbsmäßigem Diebstahl in besonders schwerem Fall" sprach. Durch seinen Anwalt ließ der des Deutschen nicht Mächtige ein umfassendes Geständnis ablegen, wohl auch in der Hoffnung auf eine Strafmilderung.
Momentan sitzt der Mann wegen anderer Vergehen bereits im Herforder Gefängnis und dort ist den Beamten etwas aufgefallen, was auch in der gestrigen Verhandlung zum Knackpunkt wurde: "Dem Augenschein nach wurde der Angeklagte nicht erst 1991 geboren, wie er selbst angegeben hat", sagte die Staatsanwältin, als sie für die Vergehen eine Gesamtstrafe von einem Jahr ohne Bewährung forderte - nach Erwachsenenstrafrecht.
Der Angeklagte sah tatsächlich eher gen 30 aus, was selbst der Verteidiger einräumte. Dieser folgte dann auch im wesentlichen dem Antrag, denn eine Bewährungsstrafe zu fordern "verbietet sich von selbst".
So muss der Dieb mit dem erlesenen Geschmack nun zusätzlich zehn Monate abbrummen - verurteilt als Erwachsener und ganz ohne edle Tropfen.











