Löhne. Das Rathaus schließen? Schwierig. Die Sanierung der Straßen einstellen? Problematisch. Doch wo soll die Stadt sparen? Vielleicht bei der in Löhne vergleichsweise teuren Betreuung für Grundschüler? Kämmerer Bernd Poggemöller sieht dort Sparpotenzial. Das hatte er in seiner Haushaltsrede deutlich gemacht. Löhne ist bisher einen teuren Sonderweg gegangen. Der steht jetzt zumindest in Frage.
Wenn es nach Lillian ginge, würde alles so bleiben, wie es ist. Die Schülerin der Grundschule Mennighüffen-Ost fühlt sich wohl bei den Querks. So heißt dort die Ganztagsbetreuung. Sie hat ihre Hausaufgaben fertig und malt gerade ein Bild.
Sollen die Personalkosten in den Offenen Ganztagsschulen gesenkt werden?
Auch wenn Kämmerer Bernd Poggemöller die hohen Betreuungsstandards zu würdigen weiß, mit den im Vergleich zu anderen Kommunen hohen Kosten fühlt er sich nicht wohl. So gibt die Stadt Detmold, die in ihrem Betreuungsangebot als Vorbildlich herausgestellt wurde, in Bezug auf die Schülerzahlen jährlich 175.000 Euro weniger für die Betreuung aus als die Stadt Löhne. "Sofern ein Wille vorhanden ist, lassen sich Einsparungen erzielen. Wichtig ist für mich eine Diskussion über den künftigen Leistungsstandard", so Poggemöller.
Dieser hohe Standard hat historische Gründe. "Als die Hortbetreuung auslief, hat die Politik beschlossen, dass sich die Qualität der Horte im Offenen Ganztag widerspiegeln soll", sagt Jugendamtsleiter Jürgen Förster am Tag nach der Ratssitzung. Ziel sei es gewesen, einen Förder- und Bildungsanspruch zu erhalten, der über die bloße Betreuung hinaus gehe.
Entsprechend wurde der Offene Ganztag in Löhne organisiert. Die Gruppengröße umfasst maximal 25 Kinder. Jede Gruppe wird von zwei Erzieherinnen in Teilzeit betreut. "Dieses hoch qualifizierte Personal kann die Kontinuität in der Betreuung bieten", betont Förster.
Insgesamt werden in Löhne 315 Kinder von 27 Erzieherinnen in Teilzeit im Offenen Ganztag betreut. Das sind rund 23 Prozent aller Grundschulkinder. Wartelisten gibt es in Gohfeld und Melbergen. Neben der Ganztagsbetreuung wird in Löhne auch die bei vielen Eltern beliebte Über-Mittag-Betreuung angeboten. "Eltern können in diesem Modell ihre Kinder zum Beispiel um 13 Uhr oder um 13.30 Uhr aus der Betreuung holen."
Mit diesem Betreuungssystem setzt Löhne Maßstäbe. In der Nachbarstadt Bad Oeynhausen ist die Über-Mittag-Betreuung schon lange Geschichte. Trotz Protest von Eltern wurde sie abgeschafft. "Diese Entscheidung haben wir ganz bewusst getroffen. Dahinter steckt auch ein gesellschaftspolitischer Aspekt", sagt Rainer Printz, Sprecher der Stadt Bad Oeynhausen. Auch hier sei das Ziel, die Kinder nicht nur zu beaufsichtigen.
In Bad Oeynhausen ist auch die Ganztags-Betreuung anders organisiert. Dort haben private Träger diese Aufgabe übernommen. Diese andere Struktur sorgt für geringere Kosten für die Stadtkasse. Aber auch für nicht so hohe Betreuungsstandards. Die Gruppen sind größer und es gibt weniger Personal.
Ob diesen Weg auch Löhne gehen wird, ist offen. "Wenn wir unseren anerkannt hohen Standard halten wollen, dann können wir nicht viel verändern", so Förster. Es seien zwar Einsparungen im vorhandenen System möglich. Aber schnell stelle sich die Grundsatzfrage. Die muss die Politik beantworten.