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11.02.2012
LÖHNE
Tapfere Wichtel und leere Tanks
Was der Dauerfrost für die Menschen in Löhne bedeutet
VON DORINA TWELSIEK UND MARTIN FRÖHLICH

Spielvergnügen im Natur-Kühlschrank | FOTO: MARTIN FRÖHLICH

Löhne. Geben Sie es zu: Sie haben vor einigen Wochen nicht mehr mit dem Winter gerechnet. Inzwischen wären auch viele Löhner wohl froh, wenn das Thermometer mal ein paar Grad mehr anzeigen würde. Der Dauerfrost hält die Stadt fest im Griff. Doch wie kommen die Menschen damit klar? Sorgen minus 15 Grad für Probleme? Die NW hat sich umgehört.

Die Waldwichtel
Gemütlich im Warmen zu sitzen und die Eisblumen am Fenster zu betrachten - für eine Gruppe von Kindern kommt das nicht in Frage. Die Waldwichtel vom "Freiluftkindergarten" aus Gohfeld wagen sich selbst bei Minusgraden weiter nach draußen. "Die Kinder wollen das und haben kein Problem damit", sagt Erzieherin Antje Poier. Allerdings, das räumt sie ein, "bleiben wir bei dieser Kälte nicht den ganzen Tag draußen." Frühstück und Morgenrunde finden im Gruppenraum statt. "Und die ganz Kleinen gehen natürlich auch früher wieder rein." Draußen achte man darauf, dick eingepackt möglichst an windgeschützten Stellen zu spielen und sich viel zu bewegen. Nur in einem Punkt zwingt die Kälte zu umdenken: "Das Wickeln der Kleinsten müssen wir nun wirklich drinnen erledigen", so Antje Poier.

Die Schulen
Die meisten Löhner Kinder aber verbringen ihre Tage in Kitas und Schulen im Warmen. Denn: "Die Heizungen in unseren städtischen Gebäuden schaffen das", erklärt der Leiter der Immobilienwirtschaft, Matthias Kreft. Bislang habe es keine Ausfälle wegen der extremen Temperaturen gegeben. Im Gegenteil: "Teilweise müssen wir die Heizanlagen sogar runterregeln." Runterregeln? "Ja, das liegt an den neuen Dämmungen in einigen Schulen. Da reicht inzwischen weniger Heizleistung völlig aus", so Kreft. Dies gelte etwa im Schulzentrum Melbergen. Ein wenig Glück hat die Stadt allerdings gehabt. Es wurde in den Nächten nicht kälter als minus 17 Grad. "Auf diesen maximalen Kältewert sind die Anlagen in ihrer Leistung ausgerichtet", erklärt Kreft.

Der Friedhofsgärtner
Bei Ulrich Niehues dagegen sind es gerade die Maschinen, die der Frost ausbremst. Der Friedhofsgärtner muss in diesen Tagen fast ausschließlich auf Handarbeit setzen. "Der Bagger schafft die tiefgefrorenen Böden nicht." Schaufel, Pickhacke und im Notfall der Presslufthammer sind gefragt. Das gelte zum Glück nur für die ersten 20 Zentimeter im Boden: "Darunter ist er noch nicht so hart", so Niehues. Die körperliche Arbeit mache ihm nichts aus. "Dabei wird man wenigstens schön warm." Regen sei da schlimmer, denn "dagegen kann man sich schlecht schützen".

Der Streudienst
Während Niehues ins Schwitzen gerät, üben sich andere im Warten: Der Streudienst der Wirtschaftsbetriebe. "Wir waren erst einmal wirklich im Einsatz und das auch nur kurz", sagt Leiter Thomas Arning. Der Berg Streusalz sei noch genau so groß wie zu Beginn des Winters. "Aber das macht nichts. Das Salz hält sich bis zu vier Jahre."

Die Kfz-Werkstatt
Die Haltbarkeit ist es auch, die bei den Autobatterien so entscheidend ist. Sie leiden besonders unter den niedrigen Temperaturen und der ständigen Feuchtigkeit, der sie ausgesetzt sind. Trotzdem haben die Kfz-Techniker nicht mehr zu tun als in anderen Jahreszeiten. "Viele Kunden, die zu uns kommen, haben Startprobleme wegen der Batterien oder kommen nach kleineren Unfällen auf rutschiger Fahrbahn", sagt Sven Kleinedöpke von Fahrzeugtechnik Kleinedöpke. "Dinge zu reparieren gibt es das ganze Jahr über. Eigentlich ist es im Winter sogar recht ruhig."

Der Heizöl-Lieferant
Von Ruhe sind die Heizöl-Lieferanten dagegen weit entfernt. Die Firma Friedrich Wessel Brennstoffe legt 14 Stunden Schichten hin, damit die Löhner nicht im Kalten sitzen. "Wir haben viele Anrufer, die dachten, sie würden mit ihrem Heizölvorrat auskommen", erzählt Geschäftsinhaber Marco Wessel. Täglich melden sich fünf bis acht Löhner bei Wessel und melden, dass ihre Heizung kalt bleibt. Der Aral Wärmeservice, der bundesweit Heizöl liefert, meldet ebenfalls eine extrem gestiegene Nachfrage in den letzten zwei Wochen.

Der Klempner
Mit großer Nachfrage wegen Rohrbrüchen rechnen die Installateure erst bei steigenden Temperaturen: "Die Rohre brechen, wenn es wärmer wird. Durch neue Isolierungen der Häuser kommt es aber seltener dazu", erklärt Jörg Fräger, Geschäftsführer der Fräger GmbH. Die Bökemeier GmbH flickt zwei bis drei Rohrbrüche am Tag. "Wenn es wärmer wird, haben wir bis zu zehn", erzählt Mitarbeiter Volker Galle. "Derzeit rufen die meisten Kunden an, weil ihre Rohre eingefroren sind."


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