Löhne. Nico Pahmeyer taucht aus dem Fichtensee auf. Er nimmt seinen Atemregler aus dem Mund und seine Tauchermaske von den Augen. "Das war schön und mir ist richtig warm. Aber eine Angelschnur hat sich um meine Beine geschlungen", erklärt der 21-Jährige. Sein Tauchgang ist beendet, der jüngste DLRG-Taucher aus Löhne legt sich ins Wasser, seine Schwimmflossen ragen aus dem See, damit Kollege Rolf Weidenbörner die Angelschnur los schneiden kann.
Nach Nico Pahmeyer steigt Mario Schildmann in den Fichtensee. 20 Minuten später folgt Jochen Pahmeyer. Die drei Einsatztaucher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) trainieren den Ernstfall unter dem Eis. Dafür tauchen sie in Löhnes Unterwasserwelt ab. "Denn wir vom DLRG werden immer dann alarmiert, wenn jemand im oder unter Wasser gerettet werden muss", erklärt Peter Torweihe. Hinzu kommen Bergungs-Einsätze.
Gemeinsam mit Rolf Weidenbörner und Gerald Huse sichert Torweihe die Übungstauchgänge seiner Kollegen von der Eisdecke aus ab. Mit Sägen und Spitzhacken haben sie zwei Dreiecke in die 20 Zentimeter dicke Eisdecke des Sees geschlagen. In einem Dreieck tauchen die Löhner ab, während das zweite Dreieck der Absicherung dient.
Zudem steht jeder Taucher mit Signalmann Rolf Weidenbörner mit der Signalleine in Kontakt. "Ein kräftiger Ruck bedeutet Notfall. Insgesamt gibt es aber 20 Signale", erklärt Weidenbörner. Der Löhner ist an diesem Wochenende die Lebensversicherung der Taucher.
"Deshalb ist Vertrauen ein wichtiger Teil unserer Arbeit", sagt Torweihe. "Sollte einem Taucher unter Wasser etwas passieren, sind die anderen Taucher sofort einsatzbereit, um ihn zu retten." Doch dazu kommt es am Wochenende zum Glück nicht.
Das Tauchen unter Eis habe nichts mit anderen Tauchgängen zu tun. "Unter dem Eis fühlt man sich wie in einem sehr niedrigen dunklen Raum, aus dem es nur einen Weg heraus gibt." Platzangst dürfe man deshalb als Einsatztaucher auf keinen Fall haben.
Als weitere Voraussetzung benötige man zudem eine gute Tauchausbildung und die Bereitschaft ehrenamtlich Teil der DLRG zu werden, so Torweihe. Davon gibt es in der DLRG Löhne 32 aktive Einsatztaucher. "Grundvoraussetzung ist natürlich das Seepferdchen", ergänzt Mario Schildmann mit einem Lächeln. Und der Einsatztaucher muss es wissen, schließlich taucht er nicht ohne sein Seepferdchem-Abzeichen, das er sich auf seinen Anzug genäht hat.
Das Abzeichen reicht im Wasser aber natürlich nicht aus. Mario Schildmann sowie Nico und Jochen Pahmeyer tragen Trockentauchanzüge mit langer Unterwäsche und dicken Socken darunter. Hinzu kommen Schwimmbrille und -flossen, Blei als Gewichte und die Pressluftflasche mit Atemregler. "So bleibt es auch im zwei Grad kalten Wasser warm", sagt Nico Pahmeyer. Anstrengender sei das Anziehen der Ausrüstung. "Da komme ich immer richtig ins Schwitzen", ergänzt Schildmann.