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14.02.2012
LÖHNE
Wie Migranten in Löhne heimisch werden
Jolanta Bartkowiak und Michael Kolpak aus Polen arbeiten in der Stadtbibliothek
VON DIRK WINDMÖLLER

Am Arbeitsplatz

Löhne. Vor Kurzem hat die Bundesregierung den jährlichen Migrationsbericht veröffentlicht. Darin wird deutlich, dass noch eine Menge zu tun, ist, wenn es um um die Integration von Migranten geht. Auch im öffentlichen Dienst gibt es laut Bericht zu wenig im Migranten im Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil. Die NW stellt zwei Einwanderer vor. Sie arbeiten - voll integriert - bei der Stadtverwaltung.

Jolanta Bartkowiak und ihr Arbeitskollege Michael Kolpak sind angekommen. Schon lange. "Wir haben gesagt, dass wir in Deutschland ein ganz neues Leben anfangen", sagt Jolanta Bartkowiak über sich und ihre Familie. Wenn ein Leben im fremden Land erfolgreich laufen soll, gibt es nur einen Weg: "Offenheit ist wichtig. Sich abzuschotten bringt Probleme", sagt sie. So hat sie ihre Deutschkenntnisse verfeinert und ist auf die Löhner zugegangen. "Wir haben tolle Nachbarn und fühlen uns zu 100 Prozent aufgenommen."

Auch Michael Kolpak zeigt, wie bei Einwanderern Integrationsprobleme gar nicht erst aufkommen können: Dahin gehen, wo das Leben spielt. "Ich bin in der Feuerwehr aktiv und habe einen klassischen Freundeskreis." Wenn sich die beiden nur in der polnischen Gemeinschaft bewegen würden, wären sie nicht so weit gekommen. Ob sie dann in der Stadtbücherei arbeiten würden, wäre fraglich. An ihrem Arbeitsplatz spiele es keine Rolle, dass sie nicht aus Deutschland stammen.

Anzukommen war für beide jedoch nicht einfach. Nur mit einer Reisetasche kam die Spätaussiedlerin Jolanta Bartkowiak am 30. Juli 1988 in West-Berlin an. "Meine Kusine hatte mich eingeladen", erinnert sich die heute 57-Jährige. Sie lebte damals mit ihrem zwölf Jahre alten Sohn in Slupsk (Stolp). "Am letzten Tag meines Aufenthalts in Berlin habe ich entschieden, dass ich nicht nach Polen zurückgehe", sagt Jolanta Bartkowiak.

Diese Entscheidung fiel ihr besonders schwer, weil sie ohne ihren Sohn in Berlin war. "Er kam mit meiner Mutter ein halbes Jahr später nach. Das war eine schlimme Phase, weil ich nie sicher war, ob ich meinen Sohn so schnell wiedersehen würde."

In Löhne begann dann das neue Leben für die studierte Bibliothekarin Jolanta Bartkowiak. Das Arbeitsamt hatte ihr vorgeschlagen, an einer Supermarktkasse zu arbeiten. "Ich bin nicht so dumm, dass ich nicht auch in Deutschland mit Büchern arbeiten kann", habe sie sich gesagt und sich in der Stadtbücherei vorgestellt, wo sie schon bald angestellt wurde.

Dort treffen sich die Wege von Jolanta Bartkowiak und Michael Kolpak, der seine Ausbildung in der Stadtbücherei gemacht hat. Der 23-Jährige kam am 1. Juni 1997 nach Deutschland. "Mein Stiefvater stammt aus Kirchlengern", sagt Kolpak. Nachdem er Kolpaks Mutter kennengelernt habe, habe dieser zunächst seine Spedition von Polen aus geführt. "Das war schwieriger als erwartet und so sind wir nach Deutschland gegangen."

Für Michael Kolpak, der bis zu diesem Zeitpunkt bei Bydgoszcz (Bromberg) gelebt hatte, war der Umzug ein harter Schritt. Acht Jahre war er damals alt. "Wir haben eine Wohnung in Gohfeld bezogen und ich bin auf die Grundschule Wittel gegangen. Das war die Hölle."

Auch wegen der Sprachbarriere sei er weder von seinen Mitschülern und auch von den Lehrerinnen nicht besonders gut aufgenommen worden. "In der Hauptschule lief es dann besser. Da war ich so gut integriert, dass ich Schulsprecher wurde."

Längst sind die Zeiten der Unsicherheit für die beiden Löhner vorbei. Sie lieben ihren Beruf und müssen nicht lange überlegen, wenn es um die Frage nach den Lieblingsbüchern geht (Bartkowiak: Die Bücherdiebin von Markus Zusak; Kolpak: Russendisko von Wladimir Kaminer). Dass sie die Bücher auf Deutsch lesen, ist klar.


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