Löhne (trau). Klavier, Gitarre und Blockflöte sind die Klassiker. Akkordeon, Saxophon und Jagdhorn eher die Exoten. Doch was die Musikschule Löhne jetzt ins Programm aufnimmt, hat es dort noch nie gegeben: die Baglama. Das neue Angebot soll dabei durchaus mehr sein, als nur ein zusätzlicher Kurs.
Die Baglama ist ein Zupfinstrument. Ein bisschen wie eine Mandoline. Sie gehört zu den Langhalslauten, die man unter der Bezeichnung "Saz" zusammenfasst. "Die Saz ist vom Balkan bis Afghanistan weit verbreitet", erklärt Levent Özdemir. Er ist der Lehrer, der die Löhner mit der Baglama vertraut machen will. Und er ist nicht irgendein Lehrer, wie Musikschulleiter Gerd Sowa betont. "Levent Özdemir ist ein Künstler auf diesem Instrument und in der Szene ein bekannter Name."
Özdemir lebt in Bielefeld, gibt auch an der Universität Hildesheim Instrumentalunterricht und hat unzählige Konzertauftritte absolviert. Wenn er auf seiner Baglama spielt, fängt er nach kurzer Zeit auch an zu singen. "Das müssen die Musikschüler natürlich nicht tun", sagt Özdemir schmunzelnd. Doch der Gesang ist kein Zufall: Er steht für die volkstümliche Tradition der Baglama. "Zu den Klängen dieses Instruments haben die Menschen in der Türkei jahrhundertelang ihre Lieder gesungen." Doch man könne damit auch wunderbar Jazz oder klassische Werke spielen. Der typisch orientalische Klang entsteht durch drei Faktoren. Für einen Ton werden gleichzeitig zwei Saiten gezupft. Anders als in der westlichen Tonlehre gibt es Vierteltöne. Und Taktzählungen wie 9/4 oder 27/8 wirken ebenfalls ungewohnt auf Mitteleuropäer.
Der Baglama-Unterricht in der Musikschule ist ausdrücklich "für alle Löhner gedacht", so Gerd Sowa. Sowohl für die, die das Instrument aus ihrer eigenen Kultur kennen, als auch für jene mit deutschen Wurzeln, für die das Instrument exotisch wirkt. Der Unterricht findet immer freitags in deutscher Sprache statt.
"Ich halte das für ein spannendes Angebot, hoffentlich kommen viele Löhner", sagte Edith Nemetschek, Vorsitzende des Migrationsbeirates. Und nicht nur Löhner werden wohl musizieren: Vural Ipek, Vorsitzender der Aleviten-Gemeinde in Bünde, kam auch zur Vorstellung des Projektes. "Ich will das bei uns bekannt machen", sagte er. Für die Aleviten ist die Baglama unverzichtbarer Teil der religiösen Liturgie. "Doch darum geht es bei dem kulturübergreifenden Unterricht nicht", schränkte Gerd Sowa ein.