Lübbecke. Auf den Straßen geht nichts. Auch nicht in der Fußgängerzone und im Supermarkt. Überall Leere und Stille, kaum jemand ist auf den Beinen. Die Uhr zeigt 20.30, die Deutsche Elf tritt im Halbfinale gegen die Spanier an und Lübbecke gleicht einer Geisterstadt.
Die drei Freunde Aleksej Simon (20), Elena Komarov (17) und Viktor Moskvitn (19) sind einige der wenigen, die sich an diesem Abend nicht das Spiel ansehen. Sie sitzen auf einer Bank irgendwo zwischen Lübbecke und Obermehnen, von der man in Richtung Stemweder Berg blickt. Sie schauen sich den Sonnenuntergang an.
"Wir haben keine Lust auf Fußball, sind bewusst hierher gekommen", sagt Aleksej Simon, Produktionshelfer. Bis zum Spielende bleiben die Freude in der Natur. "Das Ergebnis erfahren wir schon früh genug", finden sie.
Ein anderes Bild beim Public Viewing am Alten Amtsgericht: Hier ist während der Partie der Teufel los: Rund 1.700 Fans feuern Jogis Jungs an – begleitet von Vuvuzela-Lärm. Hier wird der Fußball gelebt, das Spektakel vor der TV-Leinwand gleicht einer niemals enden wollenden Party. Die Fans sind im Freudentaumel, es wird ausgelassen gefeiert. Und das an diesem warmen Sommerabend vor allem laut – das ultimative Rudelgucken in der Mühlenstadt.
Gute Stimmung bei bestem Wetter
Modeschneiderin Juliane Poggemöller schaut sich mit ihrer Freundin Stephanie Hucke (beide 22) das Spiel an. "Für uns ist es ein Muss, hierher zu kommen. Die Stimmung ist klasse und das Wetter spielt mit", sagt Juliane Poggemöller. Tamara Schulze (14) mischt sich mit ihrer Freundin Pia Lamparski (13) unter die Fans: Dass die beiden nach einer Party wie gestern heute die Schulbank drücken müssen, stört sie nicht: "Wir sind so gut drauf, da kommt auch keine Müdigkeit am Tag nach dem Halbfinale auf", glauben die beiden Mädchen.
Menschenkonzentration | FOTO: TYLER LARKIN
Nils Schwarze (22) ist mit seiner Clique dabei, als die Fans vor dem Alten Amtsgericht feiern. Schwarze: "Es macht Spaß, mit Freunden hier zu sein." Karsten Dröge, der das Public Viewing in der City gemeinsam mit Silvio Ameli und Andreas Bautz veranstaltet, macht das gute Rahmenprogramm beim Rudelgucken für die große Resonanz verantwortlich: "Die Getränke gehen nicht aus und ein DJ sorgt für die richtige Musik – das zieht die Leute hierher."
Nach dem Spiel nimmt das Leben auf den Straßen in Lübbecke wieder seinen Lauf. Die Stille ist vorbei.