Fünf Lübbecker machen beim Gründerpreis mit / Geschäftsidee: Laptops ohne Akku und Kabel
Lübbecke. "Mist, mein Laptop-Akku hat nur noch sechs Prozent", ärgert sich Tobias Kleffmann. Wenn es jedoch nach ihm und seinem Team "Freelectric" geht, dann gehören solche Sorgen bald der Vergangenheit an. Die fünf Schüler des Wittekind Gymnasiums starten beim Deutschen Gründerpreis ein fiktives Unternehmen mit einer revolutionären Geschäftsidee: kabellose Elektrizität.
Was sich nach Zukunftsmusik anhört, ist bereits jetzt Realität, wie der Physikexperte des Schülerteams Andreas Heßler erklärt: "Die Forschungen zur kabellosen Übertragung von Strom laufen in den USA auf Hochtouren. Es ist sogar schon gelungen, Elektrizität ohne Kabel durch Wände zu senden." "WiTricity" ist das Zauberkunstwort zu dieser bahnbrechenden Entdeckung, das sich aus dem Englischen "wireless" (kabellos) und "electricity" (Elektrizität) zusammensetzt.
Durch "WiTricity" bekommt der Unternehmergeist der 17- und 18-Jährigen Flügel: "Es wäre möglich, Handys und Laptops mit Empfängern auszustatten, so dass sie sich automatisch aufladen, sobald sich das Gerät in der Nähe von einem Sender befindet." Der Strom würden also im übertragenen Sinne von seinen Kabelketten befreit, was die Schüler zu einem kreativen Firmennamen inspiriert hat: "Freelectric" soll ihre Firma heißen, freie Elektrizität.
Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, wie Andreas Heßler weiß: "So wie ‚WiTricity’ dieses Jahr auf der CeBit vorgestellt wurde, haben die Geräte ungefähr die Größe wie der Laptop selbst." Noch käme also viel Forschungsaufwand für die Jungunternehmer dazu, doch in handlichen Ausmaßen wäre das Einsatzfeld fast grenzenlos: "Auch in der Medizin, zum Beispiel bei Herzschrittmachern, könnten Freelectric-Geräte zum Einsatz kommen und ganze Operationen überflüssig machen", wissen die Schüler des 12. Jahrgangs.
Bei allen rosigen Zukunftsvisionen, erstmal heißt es in der grauen Gegenwart Punkte sammeln für eine fordere Platzierung beim Deutschen Gründerpreis. Noch ist das Team "Freelectric" mit voller Punktezahl ganze vorne dabei - wie ungefähr 300 weitere Nachwuchschefs.
Um an der Spitze zu bleiben stellt sich das Team gewissenhaft den Aufgaben des Wettbewerbs und erhält dabei Unterstützung von ihren Unternehmenspaten Ulrich Heitmeyer und Dirk Wölk. In gemeinsamen Sitzungen werden die Stärken und Schwächen der Teamspieler analysiert und später ganze Businesspläne erstellt. Die Ergebnisse werden zum Schluss einer fachkundigen Jury vorgetragen.
"Am Ende haben wir eine kompletten Geschäftsplan, mit der wir zur Bank gehen könnten, um einen Kredit zu bekommen", berichtet Tobias Kleffmann, der bereits Erfahrungen beim Planspiel im vorherigen Jahr gesammelt hat. Doch primär geht es um ein erfolgreiches Abschneiden in dem Wettbewerb und die Erfahrungen als Geschäftsmänner auf spielerischer Ebene.
Ob aus der gewagten Idee einer kabellosen Welt irgendwann tatsächlich etwas wird, das steht noch in den Sternen. Aber Dirk Wölk traut den fünf cleveren jungen Männern alles zu: "Auch Jules Verne hat irgendwann von der Mondlandung gesponnen und keiner hätte es für möglich gehalten", sagt der Unternehmensberater aus dem Mobilfunkbereich. Möglicherweise sitzen also irgendwann die fünf Stromvisionäre auf ihrer Chefetage vor ihren Laptops, die ganz ohne Akku und Kabel auskommen, sondern nur mit einem Empfänger der Marke "Freelectric" ausgestattet sind.