40 Polizisten umstellen Birkenwäldchen hinter Berufskolleg / Neun Schüler geschnappt
Lübbecke. Üblicherweise dauert die Pause 15 Minuten. Neun Schüler des Berufskollegs Lübbecke sind gestern allerdings sehr verspätet in den Unterricht zurückgekehrt. Zuvor mussten einige von ihnen der Polizei erklären, warum sie auf der Flucht vor den Beamten kleine Tütchen mit Marihuana weggeworfen hatten.
Gestern Vormittag kurz vor elf Uhr. In der Kindertagesstätte "Wilde Wiese" an der Rahdener Straße toben die Kleinen draußen im Garten. Ein Stück weiter machen die Schüler des Berufskollegs Lübbecke eine 15-minütige Pause auf dem weitläufigen Schulhof, auf dem das Rauchen verboten ist.
Neun der Berufsschüler verlassen zielstrebig den Pausenhof in Richtung der Tennisplätze und ziehen sich in das 80 mal 100 Meter kleine Wäldchen daneben zurück. Einige von ihnen haben Tütchen mit Marihuana dabei, ein 18-Jähriger aus Pr. Oldendorf einen Schlagring. Als die Schüler zwischen den Birken, Pappeln und Dornensträuchern verschwinden, umstellen die 40 Beamten und Drogenspürhund "Benno" das Waldstück und legen los.
Schnell bemerken die jungen Leute die Aktion. Einige werfen ihre Tütchen mit Marihuana weg und versuchen in Richtung "Rote Mühle" zu entkommen, werden aber geschnappt.
Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei den vor Ort Überprüften um Personen im Alter von 17 bis 22 Jahren. Sie stammen aus Lübbecke, Espelkamp, Pr. Oldendorf, Minden und Hüllhorst. Die meisten von ihnen sind der Polizei bereits einschlägig bekannt.
Auch den Schlagring finden die Beamten und stellen ihn sicher, da es sich um einen verbotenen Gegenstand handelt. Eine entsprechende Anzeige wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz sei die Folge, so Kreis-Polizeisprecher Ralf Steinmeier.
Bei einer genaueren Untersuchung des Wäldchens finden Hundeführer Klaus Reinking mit Benno sowie Beamte des Rauschgiftkommissariats Minden und der Einsatzpolizei Bielefeld dann zwei Stellen, die offensichtlich in letzter Zeit einigen Rauschgiftkonsumenten als Treffpunkt dienten. Steinmeier: "Die angetroffenen Personen müssen nun mit einem Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz rechnen."
Nach gut einer Stunde ist der Einsatz beendet; die überprüften Schüler dürfen in den Unterricht zurückkehren.
"Wir dulden nicht, dass sich in dem Wäldchen ein Drogentreffpunkt bildet", kommentiert Steinmeier die Razzia und betont, die Führung des Berufskollegs arbeite "vorbildlich" mit der Polizei zusammen.
Schulleiter Klaus Schroeder: "Solche Geschäfte auf diesem Gelände sind unangemessen. Der Einsatz war ein gutes Signal."