Kater Helge auf nächtlichem Streifzug angeschossen / Tierarzt muss Bein amputieren
Hüllhorst. Donnerstagmorgen, 7 Uhr: Kathrin Mengel freut sich auf das tägliche gemeinsame Frühstück mit ihrem Kater Helge. Als sie ihm die Haustür öffnet, bekommt sie einen gewaltigen Schreck: Mit einem riesigen Loch in der linken Schulter liegt das Tier vor der Tür, blutet und schreit sich die Seele aus dem Leib. Dem Tierarzt bleibt keine Wahl - er muss das Bein amputieren. Mittlerweile steht fest, dass Helge angeschossen wurde.
"Als ich meinen Kater gesehen habe, bin ich mit ihm sofort zum Tierarzt gefahren", sagt die 28-jährige, die mit ihrem Freund Patrick ein sehr ländlich gelegenes Haus in Oberbauerschaft bewohnt. Wenig später habe Tierarzt Dietmar Helms sie angerufen und ihr gesagt, dass es sich bei der Wunde um eine Schussverletzung handelt. "Er hat sogar noch einige Splitter vom Projektil in der Schulter gefunden", sagt Mengel.
Den zertrümmerten Knochen konnte der Tierarzt nicht mehr retten. Als Helge nach einer Notoperation aus der Narkose erwachte, hatte er nur noch drei Beine. Wo vorher die Schulter war, prangt jetzt eine große Narbe auf nackter Haut. "Als ich ihn so gesehen habe, standen mir die Tränen in den Augen", sagt Mengel, die nicht begreifen kann, wie man ihrem verschmusten Tier so etwas antun kann.
In ihrer Wut begab sich die junge Frau sogleich auf die Recherche: "Ein Nachbar ist nachts zwischen halb eins und eins wach geworden, weil er einen lauten Knall gehört hat", sagt Mengel, "und durch die Ritzen der Jalousie hat er das Licht von Autoscheinwerfern gesehen." Ein anderer Nachbar will Schüsse auch schon früher am Abend gehört haben.
"Ich selbst habe zuerst an irgendwelche Chaoten gedacht, die Spaß daran haben, durch die Gegend zu ballern und Tiere zu quälen", sagt Mengel. Mittlerweile könnte sie sich aber auch vorstellen, dass ein Jäger das Tier getroffen hat. "Entweder eine Verwechslung oder ein absichtlicher Schuss", sagt Mengel. "Vielleicht sehen manche in Helge einen Wilderer." Den für die Gegend zuständigen Jagdpächter hat sie telefonisch noch nicht erreichen können.
Kater Helge geht es den Umständen entsprechend. Nachdem er unmittelbar nach der OP am Donnerstag nur geschlafen und Essen erbrochen hat, humpelt er jetzt bereits wieder durch die Gegend, trinkt Wasser und verlangt lautstark nach Frauchens Gesellschaft und Streicheleinheiten.
Kathrin Mengel hofft, dass ihr Kater eines Tages wieder ein normales Leben führen kann. "Der Arzt sagt, dass ein Kater auch mit drei Beinen auf Bäume klettern kann", sagt die 28-Jährige. Ob das Tier jemals wieder Lust auf nächtliche Streifzüge verspüren wird, bleibt abzuwarten.